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«Diese verdammte Vergnügtheit»

Er war befreundet mit Johannes Brahms und druckte Robert Walsers erste Gedichte: Vor 100 Jahren starb der Theologe, Schriftsteller und leidenschaftliche «Bund»-Feuilletonredaktor Josef Viktor Widmann.

Leidenschaftlicher Publizist: Josef Viktor Widmann, porträtiert von 1898 von Ferdinand Hodler.
Leidenschaftlicher Publizist: Josef Viktor Widmann, porträtiert von 1898 von Ferdinand Hodler.
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«Es war die reine Robinsonade, als ich, auf dem Verdeck des Holzschiffes stehend, anlegen liess, bei unserm Hause die Kinder vor Vergnügen tanzten, die Hunde bellten, die Katzen miauten.» So beschreibt Josef Viktor Widmann, wie er am 1.April 1880 nach Stampach am Thunersee zügelte, wo ihm «mit einemmal eigentümlich leicht ums Herz» war und er sich wieder in seinem «natürlichen Element als Bürger der grossen Republik aller jemals wegen politischer oder religiöser Ketzerei Verfolgten» fühlte. 12 Jahre ist der inzwischen 38jährige Theologe Direktor der Berner Einwohnermädchenschule gewesen und hat sie zu hohem internationalem Ansehen gebracht. 1879 aber ist er abrupt entlassen worden. Grund dafür war nicht seine Amtsführung, sondern seine Schriftstellerei, hatte er doch nach Ansicht der Behörden in seinen Epen «Buddha» und «Moses und Zipora» eine «zersetzende Weltanschauung» zum Ausdruck gebracht. Was eher eine Minderheitsmeinung gewesen sein dürfte, machte ihn die Universität Bern doch noch im selben Jahr zu ihrem Ehrendoktor.

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