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Die Rolle meiner Familie im Kalten Krieg

Ein Grossvater kommt aus der Mode, sein Enkel verweigert den Militärdienst, und ein Chalet desertiert ins Ausland: Der Berner Dichter und Spoken-Word-Autor Guy Krneta lässt uns in «Unger üs» in einen Schweizerspiegel blicken.

Schweizer Geschichten über ein vergangenes Land mit ungewisser Zukunft: Autor Guy Krneta vor der Polizeikaserne am Berner Waisenhausplatz.
Schweizer Geschichten über ein vergangenes Land mit ungewisser Zukunft: Autor Guy Krneta vor der Polizeikaserne am Berner Waisenhausplatz.
Adrian Moser

Der Satz erklingt immer wieder wie ein Refrain in diesem Familienlied: «Dr Unggle Sämi isch zwöuf Jahr euter gsi.» Nur ein Dutzend Jahre älter als sein Neffe ist dieser Onkel, ein bunter Vogel, der sich im Leben alle Möglichkeiten offenlässt, auf den Grenzen balanciert, für den Subversiven-Jäger Ernst Cincera schnüffelt und gleichzeitig die «staatsgefährdenden» linken Extremisten durchaus nett findet. Der jüngste Sohn des greisen Familien­patriarchen ist ein grosser Fabulierer und den Frauen zugetaner Lebemann, der als einziger Nichtschwuler im Schwulenchor Köniz singt. Und sie ist früh gestorben, diese schon fast mythische Gestalt, wie der Leser schon bald ­erfährt. Als der Neffe die Nachricht erreicht, denkt er: «Wider typisch. Absyts vor Pischte. Z Wänge dr Hang ab.» Seinem Neffen, gleichzeitig auch der Icherzähler in Guy Krnetas Buch «Unger üs», tischt dieser Eulenspiegel immer wieder im Brustton der Überzeugung die unglaublichsten Geschichten auf.

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