Die Morde ganz in meiner Nähe

Detektivischer Spürsinn: Christoph Geiser legt einen Erzählband vor mit drei wahren Kriminalfällen, die er als Randfigur miterlebt hat.

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Ein junger Dichter reist Anfang der 1980er-Jahre nach Australien, wo er in Adelaide an einem Literaturfestival teilnimmt und es sich anschliessend in einem «Dichtererholungsheim» gutgehen lässt. Gleichzeitig ist er, «todgeil», eigentlich immer auf der «Pirsch» – und das im Bewusstsein erhöhter Gefahr in einem Bundesstaat, in dem Homosexualität erst seit wenigen Jahren straffrei ist. Das Pissoir am Ufer des Flusses ist einer der Treffpunkte; in dieser Umgebung hat damals auch einer der schlimmsten Serienmörder des Landes sein Unwesen getrieben; vielleicht ist der Autor dieser «massigen Gestalt im Halbdunkel» sogar begegnet.

Die Geschichte von Beavan Spencer von Einem wird aufgerollt, der es auf «langhaarige, blonde, minderjährige» Jünglinge abgesehen hatte. Der Berner Schriftsteller Christoph Geiser («Schöne Bescherung») legt in einem Kleinverlag drei Erzählungen vor, in denen er mit lustvollem Erschauern und in einem Zustand abschweifungsfreudiger Erregung Mordfälle wiederaufleben lässt, über Motive spekuliert – dabei auch sein eigenes Begehren reflektierend – und aus Recherchegründen mitunter ausgiebig boulevardeske Zeitungsprodukte konsultiert, nach deren Gebrauch er sich am liebsten die Hände waschen würde. Einmal steht der Betreiber eines Berliner Nachtclubs im Zentrum, der in Geisers «Kiez» Opfer eines Raubmords wird, einmal ist es ein Kindermörder, der nach einer Grossfahndung gefasst wird. Am abgründigsten ist die australische Geschichte «Down under», für die Geiser auf Google Maps die Örtlichkeiten minutiös rekonstruiert und im Literaturarchiv, im «Leichenkeller unseres Nachlasses zu Lebzeiten», Notizbücher aus diesen Tagen konsultiert.

Christoph Geiser: Da bewegt sich nichts mehr. Mordsachen. Die Lunte im Spiegelbergverlag, Zürich 2016, 156 S. 27.90 Fr. (Der Bund)

Erstellt: 19.08.2016, 08:30 Uhr

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