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Der Vertriebsstopp von Urs Mannharts Buch dauert an

Der Autor darf «Bergsteigen im Flachland» wegen Plagiatsverdachts weiterhin nicht verkaufen. Eine Beschwerde von Autor und Verlag hat das Bundesgericht abgelehnt.

Ist sein Buch ein Plagiat oder nicht? Der Berner Autor Urs Mannhart.
Ist sein Buch ein Plagiat oder nicht? Der Berner Autor Urs Mannhart.

Das Bundesgericht ist auf eine Beschwerde des Berner Schriftstellers Urs Mannhart und seines Verlags Secession nicht eingetreten. Autor und Verlag hatten beantragt, dass das Lese-, Verkaufs- und Werbeverbot von «Bergsteigen im Flachland» aufgehoben wird.

Vertrieb und Bewerbung des Buches hat das Handelsgericht Zürich Mitte September 2014 verboten. Diese vorsorgliche Massnahme hatte der österreichische Reporter Thomas Brunnsteiner beantragt, weil Mannhart Passagen aus Brunnsteiners Reportageband «Bis ins Eismeer» verwendet haben soll.

Kein nicht wiedergutzumachender Nachteil

Das Bundesgericht ist auf die Beschwerde gegen die vorsorglichen Massnahmen nicht eingetreten, weil es sich dabei um einen Zwischenentscheid handelt. Gegen einen solchen kann in Lausanne nur vorgegangen werden, wenn ein nicht wiedergutzumachender Nachteil entsteht.

Dies haben Verlag und Schriftsteller gemäss dem am Mittwoch publizierten Urteil nicht «aufzeigen» können. Der Verlag erläutert in seiner Beschwerde, dass die Ertragsausfälle durch den Vertriebsstopp des Buches selbst bei einer späteren Freigabe des Buches nicht mehr kompensiert werden könnten.

Das Buch gelte dann nicht mehr als Neuerscheinung und könne deshalb nicht mehr für die Literaturpreise angemeldet werden, die für den Vertrieb wichtig seien. Es bestehe die Gefahr, dass der Verlag auf der Restauflage sitzen bleibe.

Ausserdem werde dem Autor mit dem Verbot von Lesungen die wirtschaftliche Existenzgrundlage entzogen. Als mutmasslicher Plagiator diffamiert, werde er von Wettbewerben, Stipendien und Literaturpreisen ausgeschlossen.

Schlammschlacht

Dass das Lese-, Werbe- und Verkaufsverbot bestehen bleibe, schade auch dem Kläger Brunnsteiner, sagte Verleger Joachim Zepelin auf Anfrage der SDA. Denn dieser fordere in seiner Klageschrift am Handelsgericht Zürich 25 Prozent aller Einnahmen des Buches. Ramiro Pedretti, der Anwalt von Thomas Brunnsteiner, erklärte, das Nichteintreten des Bundesgerichts sei «zu erwarten gewesen».

In Österreich hatte sich die Causa Mannhart/Brunnsteiner im November kurzzeitig zu einer Schlammschlacht ausgeweitet. In der Zeitung «Der Standard» äusserte sich der österreichische Literaturwissenschaftler Thomas Antonic in einem Kommentar sehr dezidiert zum Fall und schrieb, Mannhart habe «Motive, Ideen und ganze Geschichten» übernommen. Es folgte ein Kommentar seitens des Verlages, der monierte, Antonic und Brunnsteiner seien befreundet und Antonic deshalb befangen. Dies wiederum dementierte der Literaturwissenschaftler.

Ob Plagiat oder nicht, dessen sind sich nicht einmal die Experten einig. In der Schweizer Zeitschrift «Literarischer Monat» taxierte etwa der Literaturwissenschaftler und Leiter des Robert-Walser-Archivs, Lucas Marco Gisi, «Bergsteigen im Flachland» nicht als Plagiat.

(Urteil 4A_585/2014 vom 27.11.2014)

SDA/lri

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