Der Tote vor 
dem Bundeshaus

In Regine Freis neuem Krimi «Finale im Nebel» sorgen ein Toter am Zibelemärit und ein Senior mit Gedächtnislücken für Aufsehen und Verwirrung.

Regine Frei schreibt in ihrem neuen Roman über einen Mordfall in der Bundesstadt.

Regine Frei schreibt in ihrem neuen Roman über einen Mordfall in der Bundesstadt.

(Bild: Keystone)

«Hatte er hierher kommen wollen? Wenn ja, warum? Was wollte er hier und warum war ihm so furchtbar kalt?» Es war in letzter Zeit mehrmals vorgekommen, dass Ferdinand Schlupf verwirrt und unkonzentriert gewesen war und sich plötzlich an Orten wiederfand, ohne zu wissen warum und wieso. So auch an diesem grauen und kalten Tag im November, an dem der betagte Schlupf von einem fremden Mann an der Hallerstrasse im Länggassquartier aufgefunden und fürsorglich in eine warme Stube geleitet wird.

Der unbekannte Samariter entpuppt sich als Robert Hofer, ein pensionierter Lehrer, der bereits in früheren Krimis der Berner Schriftstellerin Regine Frei zum Personal gehörte. In «Finale im Nebel», dem vierten Roman der 50-Jährigen, lernt Hofer nicht nur den offensichtlich an Demenz erkrankten Schlupf kennen, sondern in der Folge auch die Mitbewohner und Mitbewohnerinnen von dessen Senioren-WG.

Der Nebel im Kopf

Derweil wird am traditionellen Zibelemärit ein junger Mann namens Thomas Gubbler beim Bernabrunnen vor dem Bundeshaus tot aufgefunden. Heinz Gygax, Abteilung Leib und Leben der Berner Polizei, und seine Kollegen beginnen umgehend mit akribischen Recherchen, die klären sollen, ob es sich um einen Unfall oder gar Mord handelt. Doch auf dem gefrorenen Boden rund um den Brunnen gibt es kaum Spuren, und aufgrund des dichten Nebels finden sich auch keine Augenzeugen. Bleibt also nur, in der Vergangenheit des Opfers zu forschen, wobei die Ermittlungen die Fahnder ebenfalls zu der Senioren-WG führen, in der Ferdinand Schlupf zu Hause ist.

Regine Frei hat mit «Finale im Nebel» einen Kriminalroman geschrieben, der vor allem von der detaillierten und lebendigen Zeichnung und sorgfältigen Charakterisierung der Figuren und Schauplätze lebt. Weil sich in Freis Krimi aber relativ viel Personal findet und die Schriftstellerin all ihren Figuren gerecht zu werden versucht, indem sie sie mit Biografien ausstattet, kommt die eigentliche Handlung nicht sehr zügig voran. Dafür sorgen die unterschiedlichen Erzählperspektiven für Kurzweil und Identifikationspotenzial. Zudem gelingt es Frei eindrücklich, die Verunsicherung zu zeigen, welche eine Krankheit wie Demenz mit sich bringt. Auch wenn Ferdinand Schlupfs «Nebel im Kopf» – so beschreibt der Senior selber seine Krankheit – sich nicht lichten, sondern stetig dichter werden wird, so hat Frei für ihren Krimi doch ein versöhnliches und vor allem spannendes Ende entworfen.

Regine Frei: Finale im Nebel. Gassmann-Verlag, Biel 2015. 348 S., ca. 20 Franken.

Der Bund

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