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Als Kafka noch nicht K. war

Mit «Die frühen Jahre» schliesst Reiner Stach nach 18 Jahren seine monumentale Kafka-Biografie ab. Der dritte und letzte Band ist wie seine Vorgänger ein Meisterwerk deutscher Biografik.

Ein Suchender, der wusste, was er wollte: Undatierte Fotografie von Franz Kafka (um 1899).Foto: AKG-Images, Archiv K. Wagenbach
Ein Suchender, der wusste, was er wollte: Undatierte Fotografie von Franz Kafka (um 1899).Foto: AKG-Images, Archiv K. Wagenbach

Ein Prager Versicherungsbeamter trifft, von Paris kommend, Mitte September 1911 in Erlenbach ein, um sich in einem nach den Prinzipien der Naturheilkunde geführten Sanatorium behandeln zu lassen. Er leidet unter Nervosität und – wohl damit verbunden – chronischer Verstopfung. «Die Kost ist vegetarisch und beruht auf den wohlbekannten Rezepten des Dr. Lahmann aus Dresden. Licht- und Luftbäder, Wassergüsse, Massagen, Turnübungen und viel Ruhe sind die Heilmittel, die den Tagesablauf bestimmen.» Obwohl ihm das Schweizerdeutsch Mühe macht, beteiligt sich Kafka, das erzählt Reiner Stach, an den ernährungswissenschaftlichen Fachgesprächen und notiert sich Titel vegetarischer Kochbücher. Nur an den Gesellschaftsspielen, die in den Heilanstalten üblich waren, nimmt er nicht teil. Er zieht es vor, Notizen zu machen. Eine neugierige Dame fragt ihn im Lesesaal einmal: «Was schreiben Sie eigentlich?»

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