Sie schnödet und ist weder Fisch noch Vogel

«Hätti sötti wetti»: Eine Auswahl der «Bund»-Mundartkolumnen von Renata Burckhardt gibt es jetzt zwischen zwei Buchdeckeln.

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«I bi i Sache Mundart weder Fisch no Vogu». Mit diesem entwaffnenden Eingeständnis hat Renata Burckhardt im Herbst 2009 in ihrer allerersten «Bund»-Mundart-Kolumne den gestrengen Mundart-Puristen und Hütern des reinen Berndeutsch den Wind aus den Segeln genommen und sich als bunten Dialekt-Mischling vorgestellt – getreu dem Motto: Ist der Ruf gleich zu Beginn ruiniert, schreibt es sich fortan wunderbar ungeniert.

Eine ziemlich unvollkommene Realität

Wer indes eine nostalgische Heimweh-Bernerin erwartet, wird von dieser unsentimentalen Autorin gleich in den Senkel gestellt: Bern, Zürich, Basel – in allen drei Städten habe sie «glücklechi und himmutrurigi Schtuunge erläbt». Allerdings kann sie die Hektik im vorweihnächtlichen Zürich schon etwas ins Grübeln bringen: «Z Bärn wär das nie eso. Z Bärn gits nie sone aggressivi Schtimmig no die böse Blicke . . .».

Aber diese Autorin interessiert sich weniger für immer etwas pubertär anmutende Städterivalitäten als für die Wirklichkeit in diesem Land, das Schweiz heisst. Und da ist er im Alltag eben immer spürbar, dieser Graben zwischen einem Leben, wie es sein könnte, ja sein sollte, und einer ziemlich unvollkommenen Realität.

Politisches im Privaten

Der dreifache Konjunktiv im Titel verweist auf eine Utopie am Horizont dieses reichsten Landes der Welt. Der Musterschüler Schweiz kommt Renata Burckhardt oft eher wie ein «Sonderschüler» vor, dem es weniger an intellektuellen Fähigkeiten als an Sozialkompetenz mangelt.

In einigen «Fächern» leidet dieser Kleinklässler zudem an akuter «Prokraschtination» – an einer Erledigungsblockade. Renata Burckhardt doziert jedoch nicht, sie sucht und wühlt vielmehr lustvoll in den Dialekten und macht ebenso verspielt wie scharfsinnig Politisches im Privaten fest. (Der Bund)

Erstellt: 25.09.2012, 15:01 Uhr

Renata Burckhardt: Hätti sötti wetti. Schnöde u chlööne uf Bärndütsch. Zytglogge Verlag, 2012, 90 S., 29 Fr. (Bild: zvg)

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