Sein Name ist Winter, Tom Winter

Promovierter Psychologe, schwarzer Gürtel im Judo, einst Top-Kader der Post: Der 47-jährige Peter Beck hat einen ambitionierten Finanz-Thriller veröffentlicht mit einem Helden, der weich und stark sein kann.

«Das zeigt die Prioritäten der Schweiz»: Peter Beck vor dem Eingang der Schweizerischen Nationalbank auf dem Bundesplatz Nr. 1 in Bern. Bild: Adrian Moser

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Mit seiner ägyptischen Begleiterin Fatima schlendert der Sicherheitschef einer Berner Privatbank über den Bundesplatz, die Wasserfontänen spritzen senkrecht in die Luft, Kinder kreischen vergnügt. Direkt unter ihnen lagerten die Schweizer Goldreserven, sagt der Mann, der Tom Winter heisst. Er zeigt auf das Bundeshaus und dann auf das Gebäude der Nationalbank mit der Hausnummer 1. «Das zeigt die Prioritäten der Schweiz», lautet sein lakonischer Kommentar. Als er eine Frau, die ganz allein über den Bundesplatz geht, noch als Justizministerin des Landes präsentiert, ist die Verblüffung seines Gastes komplett. Ein höchst sonderbares Land.

In diesem Land stürzt in den Alpen ein Helikopter mit einem schwerreichen Scheich ab; er war Kunde besagter Privatbank und ist, wie sich bald herausstellt, Opfer eines Anschlags geworden. Wer aber steckt dahinter: Konkurrenten beim Bau eines Atomkraftwerks, islamistische Terroristen oder rechtsradikale US-Bürgerwehren? Tom Winter, ehemaliger Einsatzleiter der Spezialeinheit Enzian, nimmt die Fährte auf. Seine gefährlichen Recherchen mit zahlreichen spannungsfördernden Cliffhangern führen ihn unter anderem nach Ägypten, Boston und Norwegen, aber auch aufs Jungfraujoch und auf die Triftbrücke – für den furiosen Showdown bei einem grossen Staudamm dient das Berner Oberland als majestätische Kulisse.

Der 47-jährige Berner Peter Beck hat in «Söldner des Geldes» mit Tom Winter eine Figur geschaffen, die einen Spagat machen soll. «Ich wollte weder eine dieser knorrigen Wachtmeister-Studer-Gestalten noch eine zu glatte amerikanische Ermittlerfigur.» Der bekennende Fan von John Le Carré hat Winter, diesen zwischen Gefühl und Ratio, eiskalter Kampfmaschine und sensiblem Beobachter pendelnden Protagonisten als Mischung zweier Extreme angelegt: Le Carrés Smiley und Lee Childs «Jack Reacher».

Wer steht dahinter?

Den Hauptteil seines ersten Romans hat Peter Beck bereits 2008 geschrieben, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Der selbstständige Unternehmensberater, der früher in der Geschäftsleitung Briefpost sass, suchte sich als Hintergrund für seinen Thriller das Thema «Infrastrukturen» heraus. «Wir sind alle abhängig vom Finanzsystem, vom Internet, aber auch von Atomkraftwerken», sagt Beck. Wir nutzten diese, wüssten aber meist nicht, wer über Beteiligungen alles dahinter stehe: «Wer die Infrastrukturen kontrolliert, verfügt über grosse Macht.» Beck erzählt von seinem Aufenthalt in Manchester, wo er vor Jahren ein Nachdiplomstudium als «Master of Business Administration» absolvierte. «Ich studierte dort mit Leuten aus Asien, die ganz heiss auf Wachstum sind und von der Motivation getrieben sind, uns in Europa und in den USA aufzukaufen.» Als «liberaler Mensch» sei er jedoch nicht gegen den Kapitalismus, betont Peter Beck. «Wenn schon, bin ich ein Befürworter der Transparenz und ein Kritiker von jeglichen extremistischen Ideologien.»

Mehr Erotik dank Fragebogen

Der Marathonläufer und Träger des schwarzen Judo-Gürtels wusste schon als Kind, dass er eines Tages einen Krimi schreiben würde. In der Bibliothek des Pestalozzi-Schulhauses war er Stammgast, als 14-Jähriger las er sämtliche Maigret-Romane. Schreibtalent hat Beck auch sein ehemaliger oberster Dienstherr, Post-Chef Ulrich Gygi, attestiert. Für Projekte musste er regelmässig Geld bei der Konzernleitung «loseisen» und das auch präzise begründen: «Fünf prägnante Seiten kamen meist besser an als 50 langfädige.» Nun umfasst sein Thriller immerhin stolze 480 Seiten. Der gekonnt verschachtelte Plot mit den meist kurzen Kapiteln weist aber erstaunlich wenig Längen auf, auch bei den Dialogen trifft der Autor meist den Ton. Zusammen mit seiner Freundin, einer britischen Anglistin, prüfte er die Dialoge auch in der Praxis auf ihre Tauglichkeit: «Wenn sie mündlich nicht aufgehen, dann sind die Dialoge auch im Text zu wenig lebensecht.»

Zu wenig lebensprall war einigen Testlesern anfangs auch die geringe Dosis Erotik im Buch. Der Wissenschaftler in Peter Beck wollte es genau wissen. Er konzipierte einen mehrseitigen Fragebogen und verteilte ihn an einige seiner Kumpels. So konnte Beck nicht nur die «grössten Böcke ausmerzen», er bekam in den «schonungslosen Rezensionen» auch zu hören, dass dieser Winter in sexueller Hinsicht seinem Namen leider allzu gerecht werde. Peter Beck hat denn auch nachgebessert und gönnt seinem Protagonisten eine heftige Affäre mit Fatima.

Peter Becks Partnerin hat die ersten drei Kapitel von «Söldner des Geldes» ins Englische übersetzt, eine Publikation seines Thrillers im angelsächsischen Raum ist ein Traum des Autors: «Wenn Sie mir einen Verleger in England finden, bin ich nicht abgeneigt.»

Peter Beck: Söldner des Geldes. Thriller. Emons-Verlag, 2013. 480 S., Fr. 16.50. (Der Bund)

Erstellt: 07.11.2013, 14:23 Uhr

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