Schneewittchen im Coop

Gerhard Meisters Geschichten biegen oft unvermittelt vom Alltäglichen ins Surreale ab. Im Band «Mau öppis ohni Bombe» beweist der Berner sein Können in Sachen Mundart-Miniatur.

Gerhard Meister erzählt Spektakuläres, als ob es das Normalste der Welt wäre.

Gerhard Meister erzählt Spektakuläres, als ob es das Normalste der Welt wäre.

(Bild: Urs Baumann)

Regula Fuchs

Da steht sie im Coop an der Kasse und kauft Rosé. Ihre Haut ist weiss gepudert, die Haare sind schwarz gefärbt und die Lippen rot bemalt mit billigem Lippenstift. Schneewittchen. Sie kramt mit nicht ganz sauberen Fingern eine mehrfach gefaltete Zehnernote hervor, und der Erzähler meint, dass ihre Geschichte eine Wendung genommen haben muss, von der die Gebrüder Grimm wohl nichts geahnt haben. Und trotzdem wird diese gealterte Prinzessin hier ihre Würde behalten, denn der Erzähler stellt sich vor, wie sie mit dem Rosé zurückgeht in ihre Einzimmerwohnung, als wärs ein Schloss.

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