Lernen fürs Leben

Beissende Kritik, grosse Träume und lustvolle Irritation: Der Sammelband zum 11. «Bund»-Essay-Wettbewerb ist erschienen. Autoren lasen an der Vernissage aus Texten zum Thema Schule.

Waren für das Teamteaching vor der altersdurchmischten Integrationsklasse zuständig: Felix Egli (links) und Christian Zingg alias Duo Immerblau.

Waren für das Teamteaching vor der altersdurchmischten Integrationsklasse zuständig: Felix Egli (links) und Christian Zingg alias Duo Immerblau.

(Bild: Adrian Moser)

Die meisten erinnern sich noch an den Blockflötenunterricht in der Schule. Er war eine doch eher trockene Angelegenheit. Ganz anders geht es zu und her, wenn Felix Egli, neben Christian Zingg die zweite Hälfte des Kabarettisten-Duos Immerblau, durch die Vernissage einer Essaysammlung führt, die sich der Zukunft der Schule widmet. Da wird die Flöte schon einmal lustvoll durch ein Nasenloch gespielt, um die «Klasse» (also das Publikum) bei Laune zu halten.

Wenn gar nichts mehr hilft, werden auch mal Schoggistängeli in die Menge geworfen, als Belohnung für korrekt beantwortete Fragen. Egli testete munter das «Hörverstehen» des Publikums, das durchaus gefordert war – hatte es doch innerhalb kurzer Zeit Ausschnitten aus inhaltlich wie stilistisch sehr unterschiedlichen Essays lauschen dürfen.

Jeweils vier Minuten standen zehn der vom «Bund» ausgewählten Essayistinnen und Essayisten zur Verfügung, um das Publikum von sich zu überzeugen. Eglis Auftritt als zynischer Sekundarlehrer, der sich offenkundig mehr für seinen Lohn als für seine Schüler interessiert, hob sich von den Kurzlesungen ab. Zynismus war durchaus auch dort vorhanden, doch er richtete sich oft weniger gegen die Lehrpersonen selbst – vielleicht auch weil viele Texte von Personen stammen, die sich von Berufs wegen mit der Schule beschäftigen, also von Pädagoginnen und Pädagogen. Stattdessen geriet die Schule als Institution ins Visier, die längst den Anschluss an die moderne Welt verloren habe und nicht auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehe.

«Warum ist die Schule so doof?»

Da war zum Beispiel Christian Hosmann, ehemaliger Lehrer und Schulleiter, der in seinem Text «We don’t need no education» so hart mit der Schule ins Gericht geht wie das Lied von Pink Floyd, dem der Titel entlehnt ist. «Warum ist die Schule so doof?», wurde Hosmann von Schülerinnen und den eigenen Kindern gefragt. Sein Text ergründet mögliche Antworten und entwirft zuletzt ein Programm, um die Schule doch noch zu retten. Ähnlich verfährt Daniel Schläppi in seinem Essay «Wider die Ignorangst!» Nach beissender Kritik erntete die Empfehlung des Autors Lacher, die Essaysammlung zu kaufen, wolle man erfahren, «wie wir aus der Klemme wieder herauskommen».

Komödiantisches Feuerwerk

Doch nicht aus allen Texten sprach eine so harsche Kritik an der heutigen Schule. Susanna Scherler, Konrektorin des Gymnasiums Hofwil, schildert in «Anfeuern!» leichtfüssig den Alltag einer Lehrerin, die in ihren Schülern buchstäblich ein Feuer entfachen will – ein Feuer, das weiter ins Leben getragen wird. Der Gewinner des Essay-Wettbewerbs, Sigi Amstutz, beschreibt in «Überhör keinen Baum und kein Wasser» Kinder, die im freien Spiel ihre Umwelt und besonders die Natur erkunden. So eignen sie sich weit weg vom traditionellen Schulalltag zentrale Kompetenzen fürs Leben an.

In Brigitte Elisabeth Schärer-Mäders Text «Unser aller Traum» geht es fantastisch zu und her: In einer einzigen Nacht träumen zahlreiche Menschen von einer Schule, in die alle gerne gehen. Doch als über eine «landesweite Schulreform» debattiert wird, zeigen sich grosse Unterschiede. Soll die Schule sein wie eine «Festung» oder doch eher wie «eine Rose, die nie verblüht»? Humoristisch lässt Schärer-Mäder, Kunstmalerin und Schriftstellerin, den Traum der vielen zuletzt in Erfüllung gehen: eine kindergerechte Schule, in der spielerisch gelernt wird.

Ebenso spielerisch führte das Duo Immerblau mit einem komödiantischen Feuerwerk aus dem Abend. Mit Lachen klang so eine Veranstaltung aus, in der sich kritische Diskussion und Aufbruchstimmung ergänzten. Und manch einer wird sich auf dem Heimweg wohl an Schärer-Mäders Worte erinnert haben: «Die Schule ist tot, lang lebe die Schule!»

Alexander Sury (Hrsg): Stell dir vor, es ist Schule und alle gehen hin! Die 20 besten Essays 2017, Zytglogge-Verlag, Basel 2017. 232 S. 34 Fr. Preis für Inhaber der Espacecard: 22 Fr. Hotline: 0800 551 800

Der Bund

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