«I bin e schwizerische Gränzfau, 
e nazionaale Gränzwärt»

Der Dialekt-Sprachforscher Christian Schmid hat seinen autobiografischen Roman «Näbenusse» nochmals 
geschrieben: auf Mundart.

Wurde vom Autor neu geschrieben - diesmal auf Mundart: Der Roman «Näbenusse» von Christian Schmid.

Wurde vom Autor neu geschrieben - diesmal auf Mundart: Der Roman «Näbenusse» von Christian Schmid. Bild: zvg/buch.ch

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Ein Kind wächst auf in der äussersten nordwestlichen Ecke der Schweiz, in der Ajoie, in der Deutschschweiz auch als Pruntruter Zipfel bekannt. Es ist umgeben vom «Ggorpsen und Piischte vo de Chüe»,«vom Giire vo dr Gable bim Mischte». Der schweigsame Vater ist in den Jura als Grenzwächter abkommandiert worden, noch während des Kriegs, als viele Flüchtlinge abgewiesen wurden.

Die Mutter hat ihren Mann durch ein Inserat kennen gelernt und fühlt sich oft einsam in der Abgeschiedenheit dieser «mutzen Dorfwelt». Jetzt herrscht Frieden in diesem kleinen Weiler, der in in den eisigen Wintern «win e Usseposchte vo dr Mönschewäut» wirkt. Zu Hause im «zwöite Schtock vom Zouposchte z Les Bornes» wird Berndeutsch geredet, draussen aber mit den Einheimischen Französisch gesprochen. So kommt der 1947 geborene Knabe zur Welt und zur Sprache. Einmal hört der Bub von einem «Berner Gieu», er sei «e Neger usem Bäärner Kongo». Der Berner Jura anfangs der 1950er-Jahre, das ist noch eine Art von Untertanengebiet.

Der Dialektologe, Buchautor («Botzheiterefaane») und langjährige Radio­redaktor Christian Schmid («Schnabelweid») hat seine autobiografischen Erinnerungen an die ersten sieben Lebensjahre schon 2002 auf Hochdeutsch veröffentlicht. Bereits diese erste Fassung hatte zahlreiche französische und berndeutsche Einsprengsel. Das Schreiben der schlankeren Mundartfassung erlebte Schmid als eine unvermittelte, weil sprachlich nicht verfremdete Arbeit des präzisen Erinnerns.

Wenn er «Küchen­hocker» sage, passiere gar nichts. Sage er jedoch «Tabourettli», sehe er, so Schmid, dank dieser Sprachbrücke sofort vor dem inneren Auge, wie diese in der Küche seiner Kindheit ausgesehen hätten: ein Quartett, gesprenkelte Sitzfläche, vier Beine. Dieses geduldige «Zrügglose» in den Wortschatz, in den er als Kind hineingewachsen ist, verleiht dieser poetischen Vergegenwärtigung ihren ganz besonderen Zauber.

Schmid hat die Magie der Grenze zeit seines Lebens begleitet, mit Ausnahme eines dreijährigen Zwischenspiels in Ittigen, lebte er immer in der Nähe der Schweizer Landesgrenze: «I bin e schwizerische Gränzfau», sagt er von sich, «e nazionaale Gränzwärt».

In «Näbenusse» webt er an einem wunderbar-dichten Erinnerungsteppich, evoziert mit sinnlicher Prägnanz den Wechsel der Jahreszeiten und kontrastiert zuweilen die Kinderperspektive eindringlich mit der Entlarvung von «fautsche Heude- und Heiligelegände» über das Verschontsein der Schweiz im Krieg. Christian Schmid: Näbenusse. Roman. Cosmos Verlag, 2015 Muri bei Bern, 
208 S., 35.90 Fr. Vernissage: Heute, 
20 Uhr, Buchhandlung Stauffacher Bern. (Der Bund)

Erstellt: 22.04.2015, 09:23 Uhr

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