Emmentaler Lebenskraft und die Seele eines Samen

Der Schriftsteller, Kulturförderer und Übersetzer Hans Ulrich Schwaar ist im Alter von 94 Jahren gestorben.

Erst vor wenigen Jahren, im Alter von 90 Jahren, wanderte Hans-Ulrich Schwaar nach Lappland aus.

Erst vor wenigen Jahren, im Alter von 90 Jahren, wanderte Hans-Ulrich Schwaar nach Lappland aus. Bild: Walter Däpp

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«Meine Seele ist in Lappland», konnte man ihn immer wieder sagen hören. Und tatsächlich fand er seine tiefste Erfüllung in jenem Finnisch-Lappland, das ihm seit 1982 zum Erlebnis geworden ist und wo er als Freund und Mitarbeiter des 2010 verstorbenen Rentierhalters Iisakki-Mathias Syväjärvi immer wieder viele Monate lang gelebt hat. Dort, in Näkkälä, hat er nun, fast blind geworden, aber weiterhin dem Erlebnis der kargen nordischen Landschaft hingegeben, mit 94 Jahren auch sterben dürfen.

Schwaar, der Freund und literarische Anwalt des samischen Volkes, hat diese Nordlandaufenthalte mehrfach dokumentiert: in seinem Buch «Sápmi» von 1996 beispielsweise, in dem er die Sagen und Mythen der Samen gesammelt hat, oder in seiner berndeutschen Übersetzung von Aleksis Kivis Roman «Die sieben Brüder» unter dem Titel «Die sibe Brüedere» von 1988. Dennoch wäre es verfehlt, Schwaars Wirksamkeit auf seine Liebe zu Finnisch-Lappland zu reduzieren.

Er war vor allem ein Berner Dialektautor, der nicht nur geschrieben, sondern sich auch für eine unverfälschte Mundart eingesetzt hat. Bis zuletzt hat er für den Erhalt des Berndeutschen in den Berner Schulen gekämpft und sich damit nicht nur Freunde gemacht, und er hat mit seinen eigenen Büchern immer wieder neu bewiesen, dass Berndeutsch eine dem Hochdeutschen ebenbürtige, ja vielleicht noch schmiegsamere, zumindest aber farbigere Literatursprache ist.Als Übersetzer hat der Bauernsohn aus dem Bucholterberg den Beweis ab 1977 mit der mehrbändigen Übersetzung der Werke von C. F. Ramuz ins Berndeutsche angetreten, wobei ihn diese Tätigkeit, angefangen mit den Illustrationen zu den Ramuz-Werken, gleichsam im Nebenhinein auch zum Bildersammler gemacht hat. In der Stiftung Hans Ulrich Schwaar in Langnau sind über 2500 Bilder aufbewahrt, die nicht nur archiviert, sondern auch ausgeliehen werden.

«Ghoblets u Unghoblets»

Imposant und noch lange nicht in seiner ganzen Fülle wahrgenommen ist auch Schwaars eigene Dialektdichtung. Der Absolvent des Lehrerseminars Muristalden hat schon in seiner Zeit als Lehrer in Trubschachen, Gohl und Langnau begonnen, unter Titeln wie «Ämmegrien: Grüschtets u Ungrüschtets», «Ghoblets u Unghoblets» oder «Gryymts u Ungryymts» eigene und zusammengetragene oberemmentalische Texte und Gedichte zu publizieren.

Eine Publikationsreihe, die der über 90-Jährige in den letzten Jahren mit drei Büchern gekrönt hat, mit denen er der Berner Lehrerschaft und der Politik zeigen wollte, wie reich, lebendig und farbig das aus der Schule verbannte Berndeutsch sein könne. «Rychs Bärndütsch», «Läbigs Bärndütsch» und «Farbigs Bärndütsch» heissen folgerichtig die drei Bände, von denen der dritte 2012 als letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Buch im Langnauer Landverlag erschienen ist. «Läbigs Bärndütsch» sei, heisst es im Vorwort zum mittleren der drei Bücher, «es Büechli für Lüt, wo no Früüd hii, zrede, wie ne der Schnabu gwachse isch».

Ein Sprach- und Lebenskünstler

Auch in seinen zuletzt erschienenen Büchern berührt nach wie vor, mit welcher Energie, Lebenskraft, Zähigkeit und Liebe zu allem Elementaren dieser grossartige Sprach- und Lebenskünstler an seine Texte herangegangen ist. «Ds Läbe isch ja daa / für Früüd dranne z’haa», hiess eine seiner Losungen, und gerade diese hoffnungsvolle, enthusiastische Haltung, die sein Werk prägt, wird dazu beitragen, dass sich auch jüngere Generationen weiterhin mit seinem literarischen und volkskundlichen Werk beschäftigen werden.

Auch wenn seine Asche in aller Stille auf dem Keimiö in Finnisch-Lappland ausgestreut worden ist: Man wird Hans Ulrich Schwaar auch hierzulande nicht vergessen und ihn an der Seite von Emmanuel Friedli, Otto von Greyerz oder C. A. Loosli als einen der grossen Förderer und Kämpfer für einen unverfälschten Berner Dialekt ehrenvoll in Erinnerung behalten. (Der Bund)

Erstellt: 07.02.2014, 08:40 Uhr

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