Das Ende von «Zytglogge» war nicht zwingend

Szenenkenner sind sich einig: Hugo Ramseyer hat es verpasst, im Zytglogge-Verlag einen Generationenwechsel einzuleiten.

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Nur noch die Buchhalterin darf bleiben, die drei anderen Angestellten sind entlassen. Das tönt nach geordneter Liquidation. Auch wenn Hugo Ramseyer in der Mitteilung an die Autorinnen und Autoren des Zytglogge schreibt, für die Zukunft des Verlags werde eine Lösung gesucht.

Bruno Meier, Mitbesitzer des Hier + Jetzt-Verlags in Baden und Vertreter einer jüngeren Verlegergeneration, ist skeptisch, dass Ramseyer eine Nachfolgelösung finden wird. Dazu sei der ­Zytglogge-Verlag zu eng mit der Person Ramseyers verbunden. Dieser habe mit dem Verlag ein Stück Berner Kulturgeschichte geprägt, sein besonderes Verdienst sei die Förderung der Mundartmusik und -literatur gewesen.

Als dominante Persönlichkeit bestimmte Ramseyer die Geschicke des Verlags während eines halben Jahrhunderts weitgehend allein, an die Zeit nach ihm mochte er nicht denken. Das hat sich laut Meier nun gerächt: «Als Vertreter der Vor-68er-Generation hätte Ramseyer vor zehn Jahren einen Partner aus der 80er-Generation mit eigenem Netzwerk suchen müssen.» Der Zytglogge-­Verlag scheint den «Generationenwechsel» verpasst zu haben. Sein Ende war aus Meiers Sicht nicht zwingend. Kleine Verlagshäuser mit klarem regionalem Profil hätten auch heute noch Chancen.

«Nicht mehr zeitgemäss»

In den 1960er- und 1970er-Jahren sei Bern ein wichtiger Ort in der Schweizer Verlagslandschaft gewesen, und dazu habe Hugo Ramseyer entscheidend beigetragen, sagt Charles Linsmayer. Der Publizist, Herausgeber und «Bund»-Kritiker erinnert an die Zeit, als die beiden grossen Berner Verlage Scherz und Franke auch noch eigene Buchhandlungen betrieben. Der Zytglogge sei auch der einzige Verlag gewesen, der «gehört» worden sei, weil es Ramseyer geschafft habe, Literatur und Musik sehr geschickt unter einen Hut zu bringen. In den letzten zwanzig Jahren habe der Verlag allerdings an Bedeutung ­verloren, nicht nur, weil heute eine veränderte Grosswetterlage für Verlage herrsche: «Ramseyers Art, den Verlag zu führen, ist nicht mehr zeitgemäss, er agiert aus einem gewissen Rückzugswinkel heraus.» Der Verlag sei mit ihm gealtert, und vor allem im Marketing fehle die ­Effizienz. Damit der Zytglogge-Verlag eine Zukunft hätte, müssten Linsmayer zufolge neue, junge Leute viel frische Luft hineinpumpen.

Da dies vorausichtlich nicht passieren wird, dürften die Autorinnen und Autoren des Zytglogge jetzt bald anderswo andocken. Denkbar ist, dass im Bereich Mundart und Belletristik der Cosmos-­Verlag in Muri Zuzug erhält; hier publizieren bereits Pedro Lenz und der Krimiautor Peter Hänni. Auch der Stämpfli-­Verlag könnte laut Szenenkennern ­Autoren erben. (Der Bund)

Erstellt: 13.08.2014, 09:25 Uhr

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