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007 und das Land der Nummernkonti

Der britische Spion hat eine besondere, eine gespaltene Beziehung zur Schweiz. Ein neues Buch leuchtet sie aus.

Er ist so urbritisch wie sonst nur noch die Queen, die Beatles oder Robin Hood. Da erstaunt es doch ein wenig, dass durch die fiktiven Adern des James Bond zur Hälfte Schweizer Blut fliesst. Sein Schöpfer, Ian Fleming, verpasste ihm nämlich eine Schweizerin zur Mutter. Wie es dazu kam, ist im neuen Buch «James Bond und die Schweiz» der Journalisten Michael Marti und Peter Wälty (beide von der Online-Plattform Newsnetz, die wie der «Tages-Anzeiger» zu Tamedia gehört) ausführlich nachzulesen. Die Autoren leuchten auf 300 Seiten die Beziehung von 007 zum Land der Nummernkonti aus.

Nachgezeichnet werden unter anderem die Auslandsjahre des jungen Ian Fleming am Genfersee, wo er weniger als Autor auffiel, sondern als «Prototyp des verwöhnten, snobistischen englischen Taugenichts». Nach seiner Verlobung mit Monique Panchaud de Bottens drohte Flemings Mutter mit Enterbung. Fleming löste das Versprechen dann wieder auf. Jahre später benannte er Bonds Mutter nach seiner unglücklichen Jugendliebe – eine späte versöhnliche Geste.

Flemings Bild der Schweiz war, wie Marti und Wälty aufzeigen, wenig schmeichelhaft. In einer für die «Sunday Times» verfassten Reisereportage beschreibt er das Land als «idyllische Puppenstube, besiedelt von sexuell frustrierten Biedermännern und -frauen». Das Geld sei ihre Religion, der Franken ihr Gott, und die einzigen willkommenen Flüchtlinge seien Steuerflüchtlinge. Auch in den Romanen dient die Schweiz vor allem als Drehscheibe für unsaubere Geschäfte und als Zufluchtsort für Halunken wie Bond-Nemesis Blofeld, der sogar mit einem Schweizer Pass ins Ausland flüchtet. Insofern ist Bonds helvetische Seite auch als seine dunkle Seite zu verstehen.

Dreharbeiten zu «Goldfinger»

Ein angenehmeres Bild zeichnen die Bond-Filme, in denen die Schweiz vorwiegend als pittoreske Kulisse fungiert. So widmet sich denn auch das Herzstück des Buches den Dreharbeiten zu «Goldfinger», für den 1964 in Andermatt und auf dem Grimselpass gedreht wurde, und ausführlicher noch jenen zu «On her Majesty's Secret Service» im Berner Oberland 1968.

Lesenswert machen die Schilderung der Dreharbeiten vor allem die zahlreichen Anekdoten von Einheimischen, die sich noch an den Filmzirkus erinnern können. Etwa die Hoteliersfrau aus Andermatt, die Jean Connery lakonisch riet, sich doch quer ins Bett zu legen, als dieser sich bei ihr über das zu kurze Bett beschwerte. Oder wie sich ein junger Bernhard Russi bei den Stunts fast das Genick gebrochen hätte. Die eigentlichen Stars des Buches sind jedoch die Fotos der Dreharbeiten, die die beiden Autoren ausfindig gemacht haben. Die meisten davon sind noch nie publiziert worden.

Nicht fehlen darf natürlich ein Kapitel über die Mutter aller Bond-Girls. Allerdings bietet es wenig Neues über Ursula Andress. Etwas bemüht wirken auch die Hinweise auf die helvetische Herkunft von Marc Forster und Anatole Taubman, deren Mitwirken am aktuellen Bond-Film wenig mit ihrer Swissness zu tun hat. Dies alles verzeiht man dem Buch allerdings gerne, liefert es doch ansonsten vorzügliches, exklusives Material. Und die Lektüre macht Lust auf zwei Dinge: Sich alte Bond-Filme wieder einmal anzuschauen und die Romane von Ian Fleming zu lesen.

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