Blueme u Nachbere

«Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt hat genug vom Geschwätz der Nachbarn.

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Mit em Früehlig chöme nid nume d Blueme, d Magnolie, die ganzi ungloublechi Pracht zum Vorschyn, sondern o d Nachbere. Me gseht sech wider. Me trifft sech wider uf dr Strass, im Garte, vor em Migros, uf em Pouseplatz – u het ume Luscht ufne Schwatz. Das isch schön. Me seit wider meh «chömet doch zum Ässe, nähmet non es Glesli» oder «ja, mir blybe gärn uf ne Täuer Spaghetti».

Das isch schön. I liebe das. I liebes, we grossi Rundi entstöh, viu Lüt zuenenang häre hocke, churzfrischtig, momentan. Nid die ewigs vorus planete Yladige huldige em Läbe, sondern die momentane: «Chumm, itz blybe mir no zäme, itz näme mir no eine, chumm, itz lö mir dr Räscht la fahre, so jung chöme mr nümm zäme.»

Egau, was es no im Chüelschrank het, egau, ob me eigentlch no z tüe hätt, egau, wie früech me am morndrige Tag muess ufstah. En Hommage a ds Läbe. Wunderbar. Nöimets angers würd me y so Momänt no zäme tanze u singe, aber das wär äuä z viu für d Schwyzer Seel oder für e mittueuropäisch Möntsch im 21. Jahrhundert. Keh Ahnig auso, wohär die Sehnsucht chunnt by mir.

Vo wäge Nachbere aber, wo im Früehlig zäme mit de Blueme u Pflanze umen ufblüehe: Da gits öppis, won i gmeint ha, das syg verby, das heigs nume y myre Chindheit gä, y de Sibzgerjahr: Nachbere, wo schnurre, gäitsche und übernang häärzieh.

Syt üse Bueb im Chindergarten isch, chunnts mir ungereinisch vor, aus wär ig ume drinn, i däm Seich. E Mueter vom ne «Chindsgi»-Gschpändli seit über en angeri Mueter, die tüeg geng so pseudofröhlech, ihre Bueb aber närvi, är chiem geng go lüte, syg ufdringlech, u das närvi on ihri Chinder.

I bi paff. U säge de, die Mueter heig sech grad vom Vater trennt, das syg äuä eifach e schwierigi Zyt für e Bueb. «Ja, ja, scho, aber trotzdäm», heissts de. En angeri Mueter verzeut, die eint Mueter heig ihre Bueb nid im Griff, dä syg z wiud, ja aggressiv, d Mueter aber stöng drnäbe u machi nüt. Wider en angeri Mueter fingt, mit der einte Mueter wöu sie nümm z tüe ha, die syg so ehrgyzig mit ihrne zwöi Chinder, das fägi eifach nid.

Dihr chöit öich gar nid vorschteue, wie mi das Gschnurr beeländed. Ja, gruuset. I ha gmeint, das syg verby. Das syg früecher gsi. Wo zum Bischpiu by üs ir Strass die Erwachsne so komisch gredt hei über nes Ehepaar, won i de viu speter begriffe ha, dass das Paar eifach dütsch u chinderlos isch gsi. Oder wo my Vater vo de Nachbere isch usglachet worde, won är im Chuchischurz vor em Huus gstanden isch. Das vergissen i nie.

Syder han i äuä eifach verdrängt, dass das natürlech nüt mit de Sibzgerjahr z tüe het. Un itz hocken i wider z mitts drinn. U weiss nume eis: I wett nüt mit däm Gschwätz z tüe ha. Wie aber sich drushaute, geit das überhoupt? Was mi aber am meischte beeländed: S isch hüfig es Gschwätz unger Froue. Froue, wo sech gägesytig i Schach haute. Wo sech chly haute. Wo sech schlächt mache. Anstatt sech gägesytig z sterche, z ungerstütze u d Manne mit y z bezieh.

S isch nid eifach, sech däm Züüg z entzieh. Dr Laden abe la, isch o nid d Lösig. Für das isch dr Früehlig o z schön. Und o ds Prinzip Nachbere. Aber s wär eifach schöner ohni all dä bös Seich. Drum itz Früehligsputzete, u zwar, wie seit me so schön? Zerscht vor em eigete Huusygang.

Der Bund

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