Zertrümmerte Zensurbalken

Unsere Heldin der Woche Peaches aus Kanada provoziert gerne mit ihren Bühnenoutfits.

Frauen wie sie braucht es mehr denn je: Peaches.

Frauen wie sie braucht es mehr denn je: Peaches.

(Bild: zvg)

Xymna Engel

Name: Peaches alias Merrill Beth Nisker
Funktion: Sängerin und Provokateurin
Heldentaten: Jongliert mit Vorurteilen und Geschlechterrollen

Nippel-Overalls und Vagina-Hüte: Im Vergleich zu den Bühnenoutfits von Peaches haben die Kostüme von Lady Gaga in etwa das Provokationspotenzial einer Frühstücksfernsehsendung. Denn die Lieblingssujets der Wahlberlinerin Peaches sind Dinge, deren Namen die meisten Menschen so aussprechen, als wäre ihre Zunge ein Feigenblatt. In einem ihrer letzten Videos zum Song «Vaginoplasty» gabs Ganzkörper-Vagina-Anzüge, bunte Schambehaarung und Textzeilen wie «I was blessed with big big big lips».

Das ist postpubertärer Kram, sagen die einen; ein starkes politisches Statement, die anderen. Klar, der Auftritt der Kanadierin, die eigentlich Merrill Beth Nisker heisst, ist total oversext. Es geht hier aber nicht um Sex im Sinn von jeder mit jedem. «Nein, es geht mir um die Frage, was wir zum Leben brauchen. Wir sollten unser Begehren und unsere Bedürfnisse als sexuelle Wesen anerkennen», sagt die 50-Jährige.

Mit ihrem Debütalbum «The Teaches of Peaches» erwarb sich die Frau mit dem kampfbereiten Blick ihren Ruf als Rotzgöre. Und auch auf ihrem aktuellen Album «Rub» tanzt sie zu viel rohem Elektroclash auf den Trümmern der Zensurbalken. Dass der Queer-Pop im Mainstream angekommen ist, ist auch ihr zu verdanken. Peaches kann aber nicht nur provozieren, sie hat in den letzten Jahren in Berlin unter anderem die Titelrolle in Monteverdis Oper «L’Orfeo» gesungen und ein autobiografisches Musical inszeniert.

In ihren Performances spiegelt sich die Unzulänglichkeit unserer Gesellschaft. Und gerade in Zeiten, wo ein Mann zum Präsidenten gewählt wird, der Dinge sagt wie «Als Star kannst du dir alles leisten, du kannst ihnen zwischen die Beine greifen», braucht es Frauen wie sie mehr denn je.

Dachstock Reitschule Sa, 19. 11., 22 Uhr.

Der Bund

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