«Wir werden das Festival verändern»

Wie vermittelt man Darbietungen, die aus dem Moment heraus entstehen? Sibylle Omlin, Kuratorin des Performancefestivals Bone, über den Stand der Aktionskunst im Jahr 2018.

Zu sehen am Bone: Christoph Rütimanns Installation «Eine Einigelung».

Zu sehen am Bone: Christoph Rütimanns Installation «Eine Einigelung».

(Bild: zvg)

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Als Sie letztes Jahr zum ersten Mal das Performancefestival Bone kuratierten, sagten Sie zum «Bund», man wolle herausfinden, wer das Publikum sei. Wissen Sie heute mehr?
Die 20. Bone-Ausgabe letztes Jahr war auf jeden Fall sehr gut besucht. Gekommen sind viele Leute aus der Theaterszene, aber auch bildende Künstler aus dem Performance-Bereich. Und viele Studierende.

Das Bone scheint also immer noch eher eine Plattform für Künstler als ein Festival für ein breiteres Publikum zu sein. Kann man sich ein solches Nischendasein noch leisten?
Performancekunst hat ja Verflechtungen in viele andere Sparten hinein. Dieses Jahr ist unser Programm zum Beispiel stark verflochten mit der Musik: «B for Music» heisst der Teil, den San Keller als Künstler und Kurator veranstaltet. Aber wir beziehen auch stark den öffentlichen Raum ein, etwa indem einige Performancekünstler mit Leuten auf der Strasse in Kontakt treten.

Sie bemühen sich um Sichtbarkeit.
Auf jeden Fall. Wir sind im Schlachthaus, in der Stadtgalerie – und im Progr, wo San Keller mit Kunstschaffenden Konzerte aufführt.

Wer ans Bone geht, wird oft mit einem kurzweiligen Abend überrascht. Man weiss als Zuschauer aber auch selten, was einen erwartet.
Wir versuchen meistens anzukündigen, was einen erwartet, aber ohne zu viel preiszugeben. Während des Festivals läuft die Vermittlung stark übers Radio: Radio Rabe wird uns wie schon letztes Jahr begleiten und live vom Bone berichten. Ab 24 Uhr kann sich ausserdem das Publikum online einschalten.

Was macht die Performancekunst heute überhaupt noch relevant?
Sie ist gerade dabei, sich auf interessante Weise zu verändern: Wie früher wird das Publikum wieder mehr einbezogen in Aktionen. Immer noch sehr wichtig ist zudem das Live-Element. Das heisst, für Performances wird fast nicht geprobt. Das macht allerdings die Vermittlung nicht ganz einfach. Denn was soll man den Leuten vorher am besten sagen? Und was nicht?

Viele Leute schauen doch lieber zu, als dass sie mitmachen.
Partizipative Aktionen brauchen sicher eine Einwilligung des Zuschauers, man will niemanden zwingen. Für manche Leute ist es aber gerade dieses spezielle Live-Erlebnis, das sie miterleben möchten. Und was auch toll ist bei Performances: Man kann reden dabei.

Die aktuelle Bone-Ausgabe haben Sie zusammen mit dem Künstler San Keller gestaltet, der den Teil «B for Music» kuratiert. Das Konzept: Künstler kommen zusammen und machen Musik. Warum braucht es dafür Zuschauer?
Jede Person mit einer künstlerischen Ambition will ein Publikum haben. Die Idee, dass bildende Künstler, die zum Teil musikalisch sehr begabt sind, zusammen ein Stück entwickeln, finde ich phänomenal. Es ist ausserdem eine Form, wie man sie nicht jeden Tag erlebt.

Die Frage, die man aufwerfen will, ist, «ob man Künstler und Musiker zugleich sein kann». Kunst mit gesellschaftlicher Brisanz klingt anders.
Es ist in unseren Augen ein wichtiger Akt, dass die Künstler bereit sind, ihre Rollen zu hinterfragen. Darüber hinaus sind wir daran, das Bone zu verändern, und machen uns auch Gedanken zum Thema, das Sie ansprechen.

Es geht also weiter mit San Keller und Ihnen?
Unsere Verträge gelten zwar nur für ein Jahr, aber wir sind vom Vorstand gefragt worden, ob wir weitermachen wollen. Wir haben beide Ja gesagt.

Worauf freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?
Durch die beiden Spielorte Schlachthaus und Progr treten zwei unterschiedliche Haltungen zur Performance in einen Dialog – darauf freue ich mich. Gespannt bin ich auf das Objekt von Christoph Rütimann, aber auch auf die Arbeit von Carla Åhlander, die mit der Fotokamera in der Stadt unterwegs sein wird. Und natürlich freue ich mich auf den Tanz: Anna Huber wird ein Solo neu auf die Bühne bringen, und Katja Schenker zeigt eine Uraufführung.

Der Bund

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