«Wir mussten lange tüfteln»

Regisseurin Antje Schupp inszeniert ein Singspiel über das Ende der Selbstoptimierung. Wie sie sich selber optimiert, erzählt sie im Interview.

Antje Schupp arbeitet seit rund zehn Jahren als Regisseurin im Sprech- und Musiktheater.

Antje Schupp arbeitet seit rund zehn Jahren als Regisseurin im Sprech- und Musiktheater.

(Bild: Andreas Tobias)

Im Stück «Das Resort» steht ein Luxusresort mit integrierter Entzugsklinik im Zentrum, welches aufgrund eines Bergsturzes von der Aussenwelt abgeschnitten wird. Die Geschichte wird in Liedern erzählt. Wie inszeniert man so was?
Es war tatsächlich eine Herausforderung, die Vorlage stimmig umzusetzen. Das Libretto von Jürg Halter hat ziemlich viele fast schon filmische Schnitte, und wir mussten eine ganze Weile tüfteln, bis wir eine Variante fanden, die uns einen Wechsel zwischen den verschiedenen Spielorten erlaubt. Aber wir haben es geschafft und quasi eine eierlegende Wollmilchsau auf die Bühne gestellt, die so variabel bespielbar ist, dass man dieser Masse an unterschiedlichen Bildern gerecht werden kann. Ich will nicht zu viel verraten, aber zentrales Element ist eine grosse Treppe auf der Bühne.

Welches Personal wird in der eierlegenden Wollmilchsau agieren?
Es handelt sich um eine spartenübergreifende Schauspielproduktion. Zum einen sind acht singende Darsteller und Darstellerinnen auf der Bühne, zum anderen ein zehnköpfiges Orchester. Das Tolle dabei ist, dass das Orchester durchmischt besetzt ist. Sieben der Kollegen – Holz- und Blechbläser sowie Streicher und Perkussion – stammen aus dem Berner Symphonieorchester, also aus dem klassischen Bereich. Die drei anderen Musiker spielen Synthesizer, Schlagzeug und E-Gitarre. Das heisst, dass das Orchester von klassischen bis zu elektronischen Klängen alles abdecken kann, und so vielfältig ist denn auch die Komposition von Elia Rediger.

Wo sehen Sie abgesehen von der Instrumentierung Hauptunterschiede im Vergleich zu den klassischen Opern, die Sie bis anhin inszeniert haben?
Ein Unterschied liegt im technischen Bereich. Die singenden Schauspieler und Schauspielerinnen werden mit Mikrofonen verstärkt, das wiederum ist für Orchestermusiker etwas ungewohnt, die arbeiten ja normalerweise ohne Monitoring. Ausserdem sind zehn Musiker ein vergleichsweise kleines Orchester, entsprechend ist der Rahmen bei den Proben ein viel intimerer. Das ganze Team hat sich somit näher kennen gelernt, als das normalerweise bei einer grossen Produktion der Fall ist. Da trifft man sich zwar spätestens bei den Bühnenorchesterproben, aber der Kontakt zum Beispiel zwischen Regie und Orchester ist trotzdem begrenzter, als das bei uns der Fall ist.

Sie inszenieren ein Singspiel über das Ende der Selbstoptimierung, wie optimiert sich denn Antje Schupp selber?
Ich bilde mir ein, halbwegs gesund zu leben, das mach ich aber einfach deswegen, weil ich mich damit gesünder und bessere fühle. Der Gedanke der Selbstoptimierung, also dieser Druck, immer besser werden zu wollen, ist bei mir nicht sehr ausgeprägt. Es sei denn, ich möchte etwas verändern in meinem Leben. Aber ich denke, das ist etwas anderes als das, was Jürg Halter und Elia Rediger in ihrem Stück verhandeln. Darin geht es ja in erster Linie um gesellschaftliche Ansprüche und den selbst auferlegten Druck, der entsteht, wenn man glaubt, diesen externen Ansprüchen gerecht werden zu müssen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...