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«Wir geben die Suche nicht auf»

Für junge Menschen ist das Ausgehangebot in Bern ziemlich dürftig. Philippe Eggenschwiler arbeitet daran, dass sich das ändert.

Philippe Eggenschwiler (rechts) möchte den Jungen der Stadt Bern Ausgehmöglichkeiten bieten.
Philippe Eggenschwiler (rechts) möchte den Jungen der Stadt Bern Ausgehmöglichkeiten bieten.

Für junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren ist das Ausgehangebot in Bern ziemlich dürftig. Der Club Einspruch schliesst hier seit September eine Lücke. Wie gross ist der Ansturm? Das ist extrem abhängig von der Veranstaltung. Trap und Hip-Hop sind bei den Jungen gerade sehr angesagt, da haben wir immer viel Publikum. Elektronische Musik zieht eher ein älteres Publikum an. Aber das ist gut so. Wir wollen zwar die Jungen ansprechen, aber keine «Babydisco» sein – das fänden die 16-Jährigen nämlich ziemlich uncool. Unser Ziel ist eine gute Durchmischung.

Als ich selber 16 war, gab es für uns nur den Vorplatz der Reitschule und den Gaskessel. Heute, 17 Jahre später, sieht die Situation nicht viel anders aus. Warum hat sich da in den vergangenen Jahren nichts getan?

Der Verein Tankere, der auch den Einspruch betreibt, kämpft ja schon seit Jahren für ein Jugendkulturzentrum im ehemaligen Gebäude der Sanitätspolizei an der Nägeligasse. Der Baubewilligungsprozess ist extrem harzig. Insgesamt sind 72 Einsprachen eingegangen – der Name Einspruch ist natürlich eine Anspielung darauf. Viele Anwohner haben Angst, dass die Partys ausarten könnten, es laut und dreckig wird. Klar, schwierige Gäste gibt es immer. Und gerade Jugendliche testen gerne Grenzen. Aber wir haben viele Massnahmen ergriffen, um dies zu verhindern – wahrscheinlich sogar mehr als andere Clubs. Ich finde es wichtig, dass die Jungen in den Ausgang gehen und sich mit Freunden treffen. Denn gerade diese Generation bleibt oft zu Hause und tauscht sich nur über soziale Medien aus. Dem wollen wir entgegenwirken.

Der Einspruch hat die Räumlichkeiten des Clubs Bonsoir übernommen, der im Mai aufgrund sinkender Umsätze seine Türen geschlossen hat. Ist es nicht ein grosses Risiko, dort einen Club aufzumachen, wo gerade einer zugemacht hat?

Wir haben eine ganz andere Ausrichtung: Das Bonsoir war ein kommerziell orientierter Club. Der Einspruch ist eine Zwischennutzung mit einem klaren Auftrag vom Jugendamt und der Stadtverwaltung. Ausserdem haben wir eine ganz andere Zielgruppe. Bis jetzt ist der Club jedenfalls gut angelaufen, und wir stehen auch finanziell gut da.

Was haben Sie an der Infrastruktur verändert?

Die Stadt hat den Bonsoir-Betreibern das Inventar abgekauft wie zum Beispiel die Bar und die Musikanlage. Wir haben alles neu gestrichen, und auch die Einrichtung wird sich in den kommenden Monaten noch weiter verändern.

Wenn es weiterhin so gut läuft: Würden Sie den Betrieb auch über die Zwischennutzung hinaus weiterführen und dafür das Projekt an der Nägeligasse aufgeben?

Im Gegensatz zum Einspruch wollten wir an der Nägeligasse einen alltäglichen Ort der Begegnung für junge Menschen schaffen; eine Art Cafébar, die auch tagsüber geöffnet hat, wo Workshops, Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Der Einspruch befindet sich im 1. UG, da kommt kein Tageslicht rein. Da kann man nicht viel mehr als ein Clubprogramm anbieten. Der Einspruch ist für uns aber eine gute Möglichkeit, um zu schauen: Was wollen die Jugendlichen überhaupt? Die Verhandlungen in Sachen Nägeligasse laufen noch. Aber egal, ob dort oder ganz woanders: Wir wollen die Suche nach einem Jugendkulturlokal nicht aufgeben.

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