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«Wenn jemand einschläft, wäre das ein Kompliment»

«Trip ohne Drogen» nennt Schlagzeuger Simon Baumann sein ­Konzert, bei dem die Gäste ­­­auf Matten liegen. (Sonntag, 22. Dezember)

Gisela Feuz
Der Tausendsassa Simon Baumann spielt unter anderem in der Band von Stephan Eicher.
Der Tausendsassa Simon Baumann spielt unter anderem in der Band von Stephan Eicher.
zvg

Herr Baumann, was hat es mit dem Namen Osomo auf sich?

Osomo ist eine Ableitung aus meinem Vor- und Nachnamen. Als ich dieses Projekt angegangen bin, habe ich mir Fragen gestellt: Wer bin ich? Was würde ich als Schlagzeuger auf einer Bühne tun wollen, wenn ich dort ganz alleine wäre? Was interessiert mich als Soloformation, was will ich erforschen? Es ist also ein sehr persönliches Projekt.

Und, was möchten Sie erforschen?

Mich interessiert die Frage, wie man Leute via Musik überhaupt noch erreichen kann in der heutigen Zeit, die von Digitalisierung, gesellschaftlichem Wandel und von Umwälzungen in der Musiklandschaft geprägt ist. Viele von uns sind doch eh schon bedient mit ständigen Inputs von allen Seiten. Vielleicht braucht es bei all der Reizüberflutung also nicht einfach ein nächstes Konzert in traditioneller Form. Kein weiteres Entertainment-Produkt, das konsumiert wird, sondern etwas, bei dem die Menschen einfach mit sich selber in Verbindung treten können. Eine Mischung aus Musik und Kur. Das versuche ich mit Osomo auszuloten.

Sie schicken Ihre Zuhörerschaft frühabends zu einer Rhythmus-Meditation auf die Matte.

Genau, ich möchte sie auf eine individuelle Reise schicken, die man entspannt liegend antreten kann. Ich liefere dazu eine Art langsamen Trance. Mich interessiert einerseits Trance als Zustand, andererseits auch die Frage, wie man diesen Schwebezustand musikalisch erzeugen kann. Ich arbeite dazu nicht mit sphärischen Ambientflächen, sondern mit rhythmischen, repetitiven und hypnotischen Patterns. Wir leben in einer hoch getakteten Gesellschaft. Als Schlagzeuger nutze ich diese Takte, um in eine Meditation zu führen. Ich bleibe dabei im Hintergrund, es gibt keine spektakuläre Bühnen- oder Lichtshow, vielmehr wird der Raum fast dunkel sein. Ich schicke die Leute auf einen Trip ohne Drogen.

Schlafen sie da nicht reihenweise ein?

Einerseits wäre es ein Kompliment, wenn jemand einschläft, weil das zeigt, dass die Person wirklich bei sich ist. Ich wäre darum auch nicht enttäuscht, wenn das passieren würde. Andererseits kann ich jederzeit auf die Stimmung im Raum reagieren. Ähnlich wie bei einem DJ-Set ist es ein Zusammenspiel mit dem Publikum. Ich sende etwas aus, und die Gäste senden etwas zurück, das alles ähnelt Wellen. Das Erzeugen dieser Wellen fasziniert mich. Ein Saal voller Leute, der kollektiv runterkommt, das fährt ziemlich ein.

Sie sind ein Tausendsassa mit hohem Output in verschiedensten Formationen. Mit Osomo bescheren Sie anderen Entspannung, sich selbst aber nicht. Haben Sie diese nicht nötig?

Doch. Ich beobachte auch bei mir, dass ich oft am Herumrennen bin und mir manchmal die Zeit zum Durchatmen fehlt. Als ich mit Osomo zum ersten Mal aufgetreten bin, war ich alles andere als entspannt (lacht), weil diese Konzertsituation auch für mich komplett neu war. Je öfter ich aber eine solche Trance-Reise mit meinem Publikum antrete, desto mehr entspanne ich mich dabei und desto mehr kann auch ich davon profitieren.

Turnhalle im Progr, Sonntag, 22. Dezember, 17.30 Uhr

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