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Wenn die Familien-Idylle zerplatzt

Am 15. Thuner Literaturfestival Literaare befassen sich drei junge Autorinnen mit der Frage, wie wir zusammenleben wollen. (abgesagt)

Alexander Sury
Im Roman «Freiraum» von Svenja Gräfen bekommt eine Kommune Risse.
Im Roman «Freiraum» von Svenja Gräfen bekommt eine Kommune Risse.
Constantin Timm

Das Literaturfestival Literaare in Thun vom 6. bis zum 8. März ist wegen den Coronavirus-Massnahmen abgesagt. Bereits gekaufte Tickets werden rückerstattet, wie die Veranstalter auf Facebook schreiben.

«Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland», gab Jeremias Gotthelf einst zu bedenken. Der viel zitierte Ausspruch könnte – zumindest dem Geiste nach – das verborgene und gleichzeitig infrage gestellte Motto von Svenja Gräfen, Regula Portillo und Laura Vogt sein. Sie alle stellen am 15. Thuner Literaturfestival Literaare ihre neuen Bücher vor.

Suche nach dem richtigen Platz

Von den Träumen und Illusionen der Generation Y erzählt die junge Deutsche Svenja Gräfen in ihrem Roman «Freiraum» (Ullstein-Verlag). Ein lesbisches Paar wünscht sich ein Kind und zieht in ein alternatives Wohnprojekt ausserhalb der Stadt. Doch die erträumte Idylle einer grossen familiären Kommune bekommt ziemlich rasch Risse.

Unterschiedlichen Lebenswegen einer erweiterten Familie spürt die in Bern lebende Regula Portillo in ihrem Roman «Andersland» (Edition Bücherlese) nach. Die Tochter einer Mexikanerin und eines Schweizers muss nach dem Tod des Vaters zurück nach Mexiko zu ihrer ihr fremden Mutter, nachdem ihr schwuler Onkel in der Schweiz vergeblich um das Sorgerecht gekämpft hat.

Im Roman «Was uns betrifft» (Zytglogge-Verlag) der Ostschweizerin Laura Vogt gibt eine junge Frau ihre Karriere als Jazzsängerin auf und zieht hochschwanger mit dem Partner aufs Land. Nach der Geburt des Kindes wird sie von postnatalen Depressionen, ihrer kranken Mutter und einer provozierenden Schwester heimgesucht.

Literatur im Zug

Diese drei jungen Autorinnen legen ihr jeweils zweites Buch als zeitgemässen Familienroman an und befragen den Wunsch nach individueller Selbstbestimmung, das Aufweichen der Geschlechterrollen und den Familienkosmos zwischen Konfliktherd und Kraftort.

Ja, doch, renommierte Namen finden sich auch im diesjährigen Programm: Christoph Geiser und Ruth Schweikert kommen, Simone Lappert ist mit ihrem hochgelobten Roman «Der Sprung» vertreten, und Meral Kureyshi liest aus ihrem mit Spannung erwarteten, immer wieder verschobenen zweiten Roman «Fünf Jahreszeiten». So wartet die Literaare einmal mehr mit einem attraktiven Mix aus bekannten Autorinnen und Autoren sowie Jungtalenten aus dem Schweizer Literaturinstitut in Biel auf.

Auch unterwegs kann übrigens Literatur genossen werden: Auf der literarischen Bahnreise zwischen Bern und Thun fungiert dieses Jahr die Berner Spoken-Word-Künstlerin Sandra Künzi als vorlaute Zugbegleiterin.

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