«Vor kurzem hätte ich noch gesagt, dass Bern eine Garage-Rockstadt ist»

Berner Woche

Nik Hostettler will mit seiner neuen Reihe «Sounds like Bern» junge Künstler auf die Bühne locken.

Nik Hostettler sieht sein Angebot nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Förderungsprogrammen.

Nik Hostettler sieht sein Angebot nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Förderungsprogrammen.

(Bild: zvg)

Ane Hebeisen

«Shit&Schein» in der Dampfzentrale, «Local Stars» im Schloss Köniz, «BernNoise» im ISC, «Emergenza» im Gaskessel, «Waldbühne Contest» im Bierhübeli und Ihr «Doppuschnägg» im Dachstock: Es wimmelt nur so von Bühnen für neue Berner Bands. Wozu braucht es da Ihre neue Reihe «Sounds Like Bern» noch?
Es kann nicht genug solcher Bühnen geben. Gute Bands und eine lebendige Musikszene entstehen nicht aus dem Nichts. Wenn man ein gutes Angebot für Auftritte schafft, dann steigert das die Motivation bei jungen Musikern, es zu versuchen. Wir sehen uns keinesfalls als Konkurrenz zum bestehenden Angebot, sondern wir streben an, dass die verschiedenen Veranstalter künftig ihre Kräfte bündeln und eine gemeinsame Promo- oder Finanzierungsstruktur etablieren.

Viele Veranstalter kreieren Nachwuchsbühnen nicht aus blosser Nächstenliebe, es ist ein Programmgefäss, mit dem sich städtische Subventionen einheimsen lassen. Wie ist das bei Ihnen?
Primär sehen wir es als Mittel, die Szene zu fördern und ein Schaufenster für Berner Musik zu schaffen. Aber klar. Solche Anlässe sind meist defizitär. Ein Teil des Defizits übernimmt der Dachstock, für den Rest haben auch wir bei der Stadt angefragt, schliesslich sollten auch Newcomer Gagen kriegen.

Mit Fai Baba und Ta’Shan stehen nun ausgerechnet zwei Zürcher Bands in diesem Berner Schaufenster. Wie kommts?
Ta’Shan lebt in London und ist in Bern aufgewachsen. Und Fai Baba ist halt unser Zugpferd. Natürlich haben wir auch in Bern gesucht, doch alle Bands, die wir angefragt haben, waren nicht verfügbar oder haben zurzeit ihre Plattentaufen.

Sie setzen nicht auf Szene-Frischlinge. Müssten Bands in diesem Stadium der Karriere nicht eher den Sprung aus Bern hinaus schaffen?
Das eine schliesst das andere ja nicht aus. Wir wollen uns künftig auch mit Newcomer-Festivals in anderen Städten austauschen. Doch es ist für jede Band wichtig, lokal eine Basis aufzubauen, und da sind solche Bühnen sicher hilfreich. Ausserdem soll das Festival auch beim Konzertpublikum die Neugier auf heimische Bands wecken. Um hier qualitativ zu überzeugen, haben wir einer 5-köpfigen Jury die Auswahl der Bands überlassen.

Bei der Gründung von Musikförderung Bern letzten Sommer gaben Sie an, als Erstes eruieren zu wollen, an was es der Berner Szene ermangelt. Was hat die Befragung ergeben?
Das grösste Anliegen war, dass wir Auftrittsmöglichkeiten schaffen und dass wir als Dreh- und Angelpunkt dienen, wenn es darum geht, Musiker zu vernetzen – mit Studios, Videokünstlern und ähnlichem.

Sie wissen wie kaum ein anderer, was da in Berns Untergrund so brodelt. Ist Bern nun eine Blues-Stadt, eine Mundartrock-Stadt oder doch eine House-Stadt?
Vor kurzem hätte ich noch gesagt, dass Bern eine Garage-Rockstadt ist, ein Label wie Voodoo-Rhythm war und ist da immer noch sehr einflussreich. Im Moment beobachte ich eine Tendenz zur Live-Elektronik, es entstehen viele Duos mit Gesang und Elektronik und eventuell noch einer Gitarre. Das könnte damit zu tun haben, dass Veranstalter immer öfter Konzert und Party verbinden. Da funktionieren solche Bands wunderbar.

Fai Baba - Full Performance Quelle: Youtube.com

Der Bund

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