Vom Teebringer zum Krautrocker

Der Trip-Hop-Übervater Geoff Barrow ist kein Mann der grossen Worte, sondern frönt mit seiner Band Beak lieber dem psychedelischen Prog-Rock.

Er hat musikalische Freunde in Bern: Der Beak- und Portishead-Kopf Geoff Barrow (mitte).

Er hat musikalische Freunde in Bern: Der Beak- und Portishead-Kopf Geoff Barrow (mitte). Bild: zvg

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Nein, er wolle nicht. Die Interview-Anfrage lehnt er rundheraus ab, der englische Produzent und Musiker Geoff Barrow, obwohl die Journalistin sogar versuchte, durch die Hintertüre eine verbale Audienz zu erschleichen und dafür Freunde aus dem Umfeld des Engländers nötigte, einen Kontakt herzustellen.

Eigentlich müsste Barrow doch daran interessiert sein, die Berner Presse zu bedienen, würde man meinen. Schliesslich ist eine seiner neusten Label-Errungenschaften hier ansässig, bringt Barrow doch in ein paar Monaten Mario Batkovics Akkordeon-Album «Quatere» auf seinem Label heraus. Und schliesslich kommt der Schlagzeuger und Sänger bald mit seiner eigenen Band Beak auf Besuch.

Wahrscheinlich hat er ganz einfach Gescheiteres zu tun, als seine Zeit mit Interviews zu vertrödeln, dieser Mann aus Bristol, der sein Leben gänzlich der Musik verschrieben hat. Bereits seinen allerersten Job absolvierte der heute 45-Jährige in einem Aufnahmestudio. 1991 war er dann bei den Aufnahmen von «Blue Lines» dabei, dem Album, welches Massive Attack zum Durchbruch verhalf.

Die Legende besagt, dass Barrow der Massive-Attack-Crew den Tee habe reichen dürfen und zwischen den Aufnahmen das Studio für seine eigenen Klang-Tüfteleien benutzte. So entstanden erste Remixe von Bands wie Depeche Mode oder Primal Scream. Gleichzeitig tat sich Barrow mit Beth Gibbons und Adrian Utley unter dem Namen Portishead zusammen, um fortan den «Bristol Sound» massgebend mitzuprägen, den Trip-Hop, diesen melancholisch-elektronischen Musikstil mit langsamen, schweren Hip-Hop-Rhythmen.

Düsterschleppbeats

Nur auf einer musikalischen Hochzeit zu tanzen, ist die Sache des Geoff Barrow nicht. So gründete der Umtriebige 2001 das Plattenlabel Invada Records, veröffentlichte mit Portishead zwei weitere Alben, produzierte für etliche Bands Platten und betreute bei filmischen Dokumentationen die musikalische Ausstattung. Und ganz nebenbei hatte er immer auch noch ein paar zusätzliche Projekte am Laufen, so auch Beak.

Strenge Regeln

Konzentration auf das Wesentliche: Etwa so könnte das Konzept von Beak zusammengefasst werden, nach welchem das Trio 2009 seine erste Platte aufnahm. Für 12 Tage schloss sich Geoff Barrow mit den beiden Mitstreitern Billy und Matt Williams in einem Raum ein, wo alle Stücke geschrieben und aufgenommen wurden und zwar ohne nachträgliches Hinzufügen von Klängen. Herausgekommen ist dabei ein Bastard aus repetitivem Prog-Electronica-Rock, der mal monoton pulsiert und mit trostlosen Störgeräuschen angereichert ist, dann mit deliriös-schwurbeligen Synthie-Klängen aufwartet oder von treibenden Beats vorangetrieben wird.

Für 12 Tage schloss sich Geoff Barrow mit seinen Mitstreitern in einem Raum ein, wo alle Stücke geschrieben und aufgenommen wurden.

Zusammen mit dem verhallten Gesang Barrows ergibt sich eine hypnotische Mischung, die irgendwo im Bereich psychedelischer Krautrock zu verorten ist. Das zweite Album «>>» nahmen die Herren drei Jahre später nach dem gleichen Prinzip auf. Seitdem gab es zwar einen Personalwechsel bei Beak, Matt Williams wurde durch Will Young ersetzt, einen Elektromusiker aus London, die Liebe zur krautrockigen Experimentierfreude ist aber geblieben.

Schlichtweg die Show seines Lebens hätten ihm Beak beschert, so der euphorische Kommentar eines Konzertgängers. Schade bloss, seien nur wenige Leute gekommen, offenbar sei das Konzert nicht genügend beworben worden. Obs Geoff Barrow gekümmert hat? Vermutlich nicht. Vermutlich geht dieser Mann dermassen auf in seiner Arbeit, dass ihm egal ist, wie viele Leute sich sonst noch dafür interessieren. Und das wiederum ist zwar mühselig für Journalistinnen, im Grunde genommen doch aber eigentlich ungemein sympathisch.

Dachstock Reitschule Mittwoch, 23. November, 20 Uhr. (Der Bund)

Erstellt: 21.11.2016, 13:43 Uhr

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