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Volle Kunstfreiheit im Newsroom

Das Berner Performance-Festival Bone verwandelt das Schlachthaus-Theater in eine Nachrichtenredaktion mit Late Night Show. (ab 27. November)

Der Performer Martin Schick, der bei Bone auftritt, setzt sich immer wieder in andere soziale Biotope.
Der Performer Martin Schick, der bei Bone auftritt, setzt sich immer wieder in andere soziale Biotope.
Valérie Chételat

Die Eingeladenen des Performance-Festivals Bone mussten über sich kurze Steckbriefe mit «Skills» und «Ressorts» für die Webseite fabrizieren. Nun raten Sie: Welche der folgenden Fähigkeiten stammen von einem Journalisten, einer Journalistin und welche von einem Künstler, einer Künstlerin?

1. Problem ansprechen

2. Professioneller Dilettantismus

3. Kritischer Geist

4. Zuhören

5. Informationen sammeln

6. Schreiben, gümmelen, scrabblen

7. Sportlichkeit

8. Ironie/Sarkasmus/Zynismus

Die Auflösung finden Sie am Ende dieses Textes. Tipp: Die Gärtchen sind gar nicht immer klar abgesteckt.

Anders als in früheren Ausgaben oder sonst oft bei Performance-Festivals stehen dieses Mal weniger die Körper der Performenden im Zentrum. In der 22. Ausgabe, laut Veranstaltern der «aktuellsten aller Ausgaben», bringen die Co-Leiter Sibylle Omlin und San Keller zwei Welten zusammen: Kunstperformance und Newsmedien. «Nachrichten produzieren ist ja auch ein performativer Akt», sagt Omlin. Die Kunsthistorikerin bespricht für das «Kunstbulletin» Ausstellungen, war bis 2017 Direktorin der Schule für Gestaltung Wallis und schrieb früher für die «Neue Zürcher Zeitung».

Tagesaktuelle Performances

Am Berner Bone-Festival, das sich dieses Mal mit dem Schlachthaus-Theater auf nur einen Spielort beschränkt, entsteht für vier Tage eine Art Newsroom, in dem Kunst- und Medienschaffende zusammenarbeiten.

Am Morgen treffen sich Gruppen von mindestens acht Künstlerinnen und Künstlern unter der Leitung von festangestellten Redaktoren wie Adrian Riklin («WOZ») sowie freischaffenden Journalisten wie Hannes Grassegger zu einer «Redaktionssitzung». Hier werden brandaktuelle oder auch schon länger schwelende Nachrichten als Tagesthema bestimmt. Dazu kreieren die Künstler im Verlauf des Tages Performances, die sie am Abend in zwei Teilen, sogenannten Tracks, zeigen. Den Prozess dokumentieren sie auch auf den Onlinekanälen des Festivals.

Bei der Auswahl der Künstler haben Sibylle Omlin und San Keller, der als Dozent an der Hochschule Luzern den Bachelor Kunst und Vermittlung leitet, vor allem auf die Medienaffinität geachtet. «Einige arbeiten mit neuen Medien, viele greifen aber auch auf klassische journalistische Techniken wie das Interview zurück», so Omlin.

Künstler als Satiriker

Das Programm fürs Publikum klingt noch recht abstrakt. Eine Vorahnung, was konkret zu sehen sein wird, geben die Namen, wenn auch nur eine vage. Der Lausanner Darren Roshier etwa wird Beiträge für seine Youtube-Videoserie «Grey Truth» live produzieren. Darin versucht er sich als Satiriker, gerät aber über seine Themen wie «Feminismus aus Männersicht» oder «Trump als Künstler» allzu leicht ins Fabulieren. Bei einem wie Martin Schick wiederum lohnt es sich ziemlich sicher, sich überraschen zu lassen. Der Deutschfreiburger wechselt munter soziale Biotope.

Wie im Medienalltag bleibt alles im Fluss, und auch kein Zuschauer, keine Zuschauerin soll den ganzen Abend nur herumsitzen. Wie heute News auf verschiedenen Medienkanälen gleichzeitig geschaut, gehört und gelesen werden können, laufen auch bei Bone mehrere Performances parallel. Das Publikum muss sich seine eigene Reihenfolge zusammenstellen. «Das mache ich bei der Zeitung gleich: Ich entscheide, ob ich zuerst Kultur, Internationales oder Sport lese», sagt Omlin.

Jeden Abend gibt es im zweiten Teil zudem eine Late Night Show des Künstlerduos Blond & Gilles mit zusätzlichen Gästen. Sie palavern unter anderem über Kunstfiguren und hybride Identitäten mit der Musikerin Jessiquoi und der Bloggerin Jessica Jurassica, die sich digital als schnoddrige Absturz-Intellektuelle inszeniert.

Auflösung: Journalist 1, 6; Künstler 2, 3, 4, 5, 7, 8.

Eröffnung im Schlachthaus-Theater: Mittwoch, 27. November, 19.30 und 21.30 Uhr. Das Festival dauert bis Sonntag, 1. Dezember. Café und Bar sind von 9 bis 24 Uhr offen. Blog und alle Daten: www.bone-performance.com

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