Utopie als Superwaffe

Das multimediale Kunst-projekt Squatopia begibt sich ins Innere von autonomen Zentren.

Besetzungen sind das Thema von Squatopia.

Besetzungen sind das Thema von Squatopia. Bild: Samuel Schalch

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«Häuser besetzen ist auch nicht mehr das, was es mal war.» Dieser Satz war unlängst im Berliner Stadtmagazin «Zitty» zu lesen. Klar: In den 80ern flogen Steine, bei den diesjährigen Pfingstbesetzungen in Berlin hagelte es auf die Polizisten Luftballons, Debatten wurden per Hashtag geführt, und Politiker bekundeten ihre Sympathie. Bringt es also womöglich gar nichts mehr, Häuser zu besetzen?

Das Kunstprojekt Squatopia (Squats: englisch für besetzte Häuser) begibt sich ins Innere von autonomen Zentren, in chaotische Freiräume, aus denen zum Teil subventionierte Kulturzentren geworden sind - wie im Fall Reitschule, wo das Ganze stattfindet. Entwickelt haben das Projekt Michael Spahr (Journalist und Videokünstler) und Giorgio Andreoli (Filmemacher und Sozialarbeiter). Sie haben ein Dutzend autonome Zentren in der Schweiz, Deutschland und Österreich besucht, mit Aktivisten und Stadtforschern gesprochen. Welche Strahlkraft haben autonome Zentren heute? Wie gehen sie mit dem Neoliberalismus und der Digitalisierung um? Und haben sie womöglich selber zur Gentrifizierung beigetragen? Squatopia ist einerseits eine Ausstellung mit Videos, Texten und Illustrationen zum Thema, aber auch eine Art Festival mit diversen Veranstaltungen, u. a. gibts eine Performance von Strotter Inst. (Do, 14. 6., 16 Uhr), Spoken Word und Rap mit Guy Krneta und Greis (So, 17. 6., 17 Uhr) und ein Konzert von Praed (Fr, 29. 6., 20 Uhr).

Ausserdem feiert das Hörspiel «Squatopia» von Ruth Schwegler und Michael Spahr Premiere (Do, 7. 6., 18 Uhr). Darin stossen zwei ausserirdische Archäologen in den Ruinen unserer Zivilisation auf Magnetbänder, die von einer gewissen Reitschule berichten, einem Ort, den sich ein paar Menschen hart erkämpfen mussten. Und sie stossen auf eine mysteriöse Superwaffe, welche sie dabei benutzt haben: die Utopie.

Und spätestens hier wird klar, was aus Hausbesetzungen auch heute noch entstehen kann: Orte, an denen Geschichte geschrieben wird. (xen)

Grosse Halle Reitschule Do, 7. Juni, bis Fr, 29. Juni.

Erstellt: 07.06.2018, 08:48 Uhr

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