Tief aus der Seele

Herrlich-holziger Basssound, geschickt platzierte Grooves: «White Creatures» von Black Sea Dahu ist ein hervorragendes Debüt.

So leidenschaftlich-lustig wie verletzlich-melancholisch: Janine Cathrein.

So leidenschaftlich-lustig wie verletzlich-melancholisch: Janine Cathrein. Bild: zvg

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Das «Black Sea Dahu» ist ein komisches Ding oder besser: ein Kunstbegriff, bestehend aus der Tiefe des Meeres und dem Schweizer Fabelwesen mit unterschiedlich langen Beinen. Die Interpretation würde wohl weit in intellektuelle Sphären gehen, worauf das gleichnamige Sextett Black Sea Dahu aber verzichtet. Hier steht sinnliches Sounden im Mittelpunkt, und das gelingt vorzüglich. «White Creatures», die Debütplatte der Zürcher Gruppe, geht nämlich unheimlich tief in die Seele und fasziniert zugleich durch magische Mystik.

Im Zentrum dieser Kompositionen steht Janine Cathrein, welche mit ihrer tiefen, warmen Stimme und einem originellen Approach zum Gitarrenspiel die sechsköpfige Truppe anleitet. Cathrein ist aber nicht einfach eine klassische taffe Leaderinnen- oder gar Kunstfigur. Nein, sie ist ein Mensch, so echt und ehrlich, wie man ihn selten erlebt. Wer die Velokurierin und begeisterte Surferin auf und neben der Bühne erlebt, lernt einen Charakterkopf kennen, der so leidenschaftlich-lustig wie verletzlich-melancholisch auftreten kann. Energie versus Müdigkeit, Liebe versus Leiden, Lustigsein versus Traurigkeit. Jene Gegensätze, ja diese fast schon musikalische Tragikomödie geben den Songs auch ihre Tiefe. Hier ist alles echt, alles aus Lebenserfahrung heraus entstanden; hier wird gelitten, gefeiert, gelacht.

Geschickt orchestriert

Diese Authentizität macht «White Creatures» zu einem ganz besonderen Debüt, das auch live hervorragend funktioniert – in der Mühle Hunziken tritt die Band als Support des Singer-Songwriters Tobias Carshey auf. Dabei geht die Gruppe äusserst tatkräftig zu Werke. Entstanden aus einem Schulprojekt Cathreins, wurde unter dem Namen Josh fleissig Strassenmusik gemacht, mit eigener Merchandising-Produktion und Konzerten rund um den Erdball. Nach einigen personellen Wechseln und dem daraus resultierendem Namen Black Sea Dahu gings dann sogleich richtig ab. Eine geschickt orchestrierte Kampagne von Musikmanager Andreas Ryser mit Auftritten am Reeperbahn-Festival und reichlich DIY-Marketing verschaffte der Band ordentlich Aufmerksamkeit: Nur schon die Singleauskopplung «In Case I Fall for You» verzeichnet inzwischen rund 500 000 Plays auf Spotify, weitere Lieder von «White Creatures» werden wohl ebenso nachziehen.

Kein Wunder: Die moderne, in Norwegen von The-Wooden-Sky-Frontmann Gavin Gardiner produzierte Folk-Ästhetik des Albums gefällt ungemein. Herrlich-holziger Basssound, geschickt platzierte Grooves, unaufdringliche Synthiesounds sowie verträumte, aber nie verblendete Gitarrenspuren bilden schlicht ein Gesamtkunstwerk, geprägt von Singer-Songwriter-Lagerfeuerromantik bis Effektpedal-Orchester-Bombast. Gekrönt wird dies durch die aufwendig arrangierten, wunderschönen Gänsehaut-Gesangsspuren. Für deren Wohlklang sorgen auch Cathreins Geschwister Vera und Simon, die nebst ihren Funktionen an Bass, Gitarre, Cello und Perkussion kräftig mitsingen.

Hieraus zu spüren ist dabei immer der unbändige Wille, das zu tun, was Black Sea Dahu lieben: mit Musik die Welt zu bereisen. Oder schlicht: das eigene Ding durchzuziehen.

Mühle Hunziken, Rubigen. Freitag, 9.11., 21 Uhr. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.11.2018, 07:12 Uhr

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