Staunen im Stadion

Man könnte es unverschämt nennen: Die Neue Musik feiert sich kraft eines Stadionkonzerts.

Niemand hätte sich damals ausmalen können, dass sich auf dem altehrwürdigen Grün jemals etwas derartig Unerhörtes zutragen könnte wie am kommenden Wochenende.

Niemand hätte sich damals ausmalen können, dass sich auf dem altehrwürdigen Grün jemals etwas derartig Unerhörtes zutragen könnte wie am kommenden Wochenende.

(Bild: zvg)

Ane Hebeisen

«Durch Sport und Erfolg zum Wohle der Gesamtheit und zum Gedeihen unseres lieben, schönen Schweizerlandes.» Mit diesen feierlichen Worten wurde am 12. Oktober 1924 das Stadion Neufeld eröffnet. Niemand, aber auch wirklich niemand hätte sich damals ausmalen können, dass sich auf dem altehrwürdigen Grün jemals etwas derartig Unerhörtes zutragen könnte wie am kommenden Wochenende.

Keine Bananenflanken oder Kurvenläufe sind da für einmal zu erwarten, sondern Musik, welche die Absicht hat, die gängigen Hörgewohnheiten zu verbiegen. Kurz: ein gigantisches Stadionkonzert der Neuen Musik, mit experimentellen Klanginstallationen, improvisierten und komponierten Konzerten, mal elektrisch verdrahtet, mal naturbelassen akustisch.

«Flash! (run and relay)» heisst der Anlass, geladen hat Pakt Bern, das Kollektiv, dem es gefällt, die experimentelle Tonkunst auf unkonventionelle Weise unters Berner Volk zu bringen. Und so wird unter vielem anderen die Engländerin Lucy Railton ihrem elektrisch manipulierten Cello Klänge abtrotzen, die der Erfinder so nicht vorgesehen hatte.

Der Klangraum-Architekt Thomas Köner wird das Stadion in einen Ort der Einkehr verwandeln, der Trompeter Werner Hasler und der Cellist Carlo Niederhauser lassen zusammen mit dem Visual-Künstler Hugo Ryser Bilder und Klänge durch die Baulichkeit irrlichtern. Und sogar dem improvisierten Tanze wird gefrönt: Annemarie Kaufmann betanzt eigentlich unbetanzbares Tonmaterial der Violinistin Laura Schuler. Dazu ist ein kleines Derby zwischen YB und Thun anberaumt: Während das Kollektiv Tönstör mit dem YB-Nachwuchs experimentelle Hooligan-Chöre anstimmt, steuern Schüler des Gymnasiums Thun ebenso experimentelle Stadiongeräusche bei. Zum Wohle der Gesamtheit. Versprochen.

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