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«Sehnsucht als Antrieb»

Die Geigerin Gwendolyn Masin über ihre Sehnsucht und Vorfreude nach dem Gaia-Festival, wo sie auftreten wird.

Die in Bern lebende holländische Geigerin Gwendolyn Masin.
Die in Bern lebende holländische Geigerin Gwendolyn Masin.

Sehnsucht hat viele Gesichter. Welches war für das Motto Ihres diesjährigen Gaia-Musikfestivals ausschlaggebend?

Ich verstehe Sehnsucht so, wie sie im 19. Jahrhundert verstanden wurde, als Reaktion zur Aufklärung, als die Vernunft betont wurde. Die Sehnsucht der Romantik meint etwas Unerreichbares. Für Brahms, Clara und Robert Schumann, in ihrer Musik war Sehnsucht ein künstlerischer Antrieb, in ihrer Musik wird sie lebendig.

Und welche Sehnsüchte treiben Sie persönlich um?

Ganz ehrlich? Im Moment die Sehnsucht nach dem Gaia-Festival. Die Vorfreude stimmt mich euphorisch. Wenn es losgeht, wächst mit jedem Ton, der verklingt, auch die Sehnsucht nach dem nächsten Festival. Gaia bedeutet für mich fünf Tage Ausnahmezustand. Die Musikerinnen und Musiker reisen aus allen Ecken der Welt an. Wir proben, konzertieren, verbringen die Zeit zusammen. Das erlebe ich als Musikerin sonst nicht. Normalerweise ist man unterwegs. Immer alleine. Mit Romantik hat das wenig zu tun. Diesen Monat war ich in fünf Ländern. Von den Städten und Menschen habe ich nichts mitbekommen. Die Kollegen sah ich bei der Probe und im Konzert. Fertig. Deshalb erlebe ich Gaia als Familie. Neben der Musik wird der Austausch gepflegt – auch mit dem Publikum.

Sie sind freischaffende Musikerin. Wie viel Stress bedeutet diese Freiheit?

Das ist immer eine Grundsatzfrage: Was will ich? Soll ich mich anstellen lassen oder die Zügel für mein Künstlerleben selber in die Hand nehmen? Das bedeutet immer auch, Unsicherheiten in Kauf zu nehmen. Die Finanzierung von neuen Projekten kann schon mal Kopfschmerzen bereiten. Manchmal hadert man damit, weshalb man von einem Teil der Gesellschaft nicht verstanden wird oder sich rechtfertigen muss für das, was man Tag und Nacht arbeitet. Die Überzeugung, einen Beitrag dazu leisten zu können, die Gesellschaft durch unsere Kunst zusammenzuhalten, ist aber immer wieder stärker.

Als vielbeschäftigte Violinistin, Autorin, Hochschuldozentin und Festivalleiterin präsentieren Sie ab Oktober im umgebauten Casino Bern ein neues Konzertformat. Finden Sie noch Zeit für eine 12. Gaia-Ausgabe?

Unbedingt. Die Profile der beiden Projekte sind inhaltlich völlig unterschiedlich. Beim Gaia wird klassische und zeitgenössische Kammermusik gepflegt, im Casino stehen genreübergreifende Konzerte im Zentrum.

Was heisst das?

Ich werde Künstler aus allen Sparten von Klassik, Jazz, Funk über Volksmusik bis Worldmusic präsentieren. Ich hoffe, Berührungsängste abzubauen. Der Rahmen wird lockerer sein als in gängigen Casinokonzerten. Bereits haben internationale Musikgrössen zugesagt.

Zum Beispiel?

Offiziell kommuniziert wird das Casino-Programm Anfang Mai. Aber den Eröffnungsgast verrate ich Ihnen. Es ist der Stimmkünstler Andreas Schaerer. Dazu kommt ein von mir zusammengestelltes Ensemble aus musikalischen Querdenkern wie Etienne Abelin, Kalle Kallima oder Wolfgang Zwiauer.

Programm und Infos: www.gaia-festival.com

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