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«Scheitern ist auch Weiterkommen»

Der Schaffhauser Theaterautor Andri Beyeler schreibt auf Mundart und lässt Texte oft lange liegen, bevor er sie wiederbelebt. So war es auch beim Stück «Geisterspiel».

Ein Ex-Spielerberater und ein zu früh pensionierter Materialwart finden in «Geisterspiel» ihr Glück im Abseits.
Ein Ex-Spielerberater und ein zu früh pensionierter Materialwart finden in «Geisterspiel» ihr Glück im Abseits.
Ingo Höhn

In Ihrem neuen Stück «Geisterspiel», das Sie gemeinsam mit Martin Bieri geschrieben haben, geht es um Fussball. Aber es geht auch um Nationalität, Männlichkeit, Scheitern und Aussortiert-Werden . . .

. . . genau. Man kann schon ganz früh aussortiert werden. Ich und Martin schauen gerne zusammen Fussball. Und irgendwann stellten wir uns die Frage, was eigentlich mit U-21-Spielern passiert, die nicht die grosse Karriere machen. Also aussortiert werden, scheitern. Das war die Grundlage für «Geisterspiel». Schon 2007 haben wir mit einigen von ihnen Interviews geführt. Dann ging es aber irgendwie nicht weiter, und wir haben das Material auf die Seite gelegt.

Eine Sackgasse quasi?

Vielleicht, ja. Erst mal. Einige Jahre später haben wir den Stoff wieder aufgenommen, sind aber von der eigentlichen Interviewform weggekommen und haben Themen, die immer wieder vorkamen, aufgenommen und sie zu einer neuen Form zusammengefügt. Entstanden ist nun ein Roadmovie für die Bühne über zwei aussortierte, gescheiterte Figuren aus der Fussball-Welt.

Warum schreiben Sie übers Scheitern?

Weil es eine Erfahrung ist, die wir alle mal machen. Was mich interessiert, ist dieses Zusammenspiel der beiden Faktoren – es gibt biografische Gründe, aber auch gesellschaftliche. Was liegt an einem selber? Was kommt von aussen? Und dann vielleicht: Was mach ich daraus?

Sie sind also auch schon gescheitert?

Immer wieder. Beispielsweise am Schreiben von neuen Stücken. Da liegen ein paar Texte in meiner Schublade, mit denen ich stecken geblieben bin. Aber Scheitern ist auch ganz nah am Weiterkommen. Wenn das eine nicht geht, hat man plötzlich Platz für anderes. Die Zeit, in der ein Text unfertig rumliegt, kann auch helfen. Mit «Mondscheiner» zum Beispiel, da bin ich oft gescheitert.

Trotzdem kam es letzten Herbst raus und wird nun am Samstag am Berner Lesefest Aprillen vorgetragen.

Es war 2003 oder 04, als ich einen Auftrag fürs Staatstheater Stuttgart hatte, gleichzeitig an «Mondscheiner» schrieb, dann mit dem Stoff für Stuttgart nicht weiterkam und dafür «Mondscheiner» nahm, Stuttgart dieses Stück dann aber ablehnte, und so kam es schliesslich 2009 in Basel zur Uraufführung. Und neun Jahre später erschien es nun eben auch noch als Buch.

Wenn Sie nun einen Text so lange liegen lassen oder wie bei «Mondscheiner» nochmals neu herausgeben, gibt es ja oft einen neuen Ansatz. Korrigieren Sie sich dann quasi selbst?

Ich habe bestimmt eine andere Art von Reflektiertheit als früher. Damals habe ich mehr drauf los geschrieben, war aber auch ahnungsloser und hatte weniger Hemmung. Dies versuche ich heute manchmal auch wieder mehr. Bei «Mondscheiner» hab ich den Text aber tatsächlich aufgemacht und überarbeitet. Von einem Theaterstück zu einer Ballade.

«Geisterspiel», welches ja auch lange in der Schublade lag, ist eine von mehreren Arbeiten mit Martin Bieri. Wieso funktionieren Sie so gut zusammen?

Das ist eine lange Freundschaft. Eine Freundschaft, die auch an unseren Beruf geknüpft ist. Schon früh im Studium der Theaterwissenschaft las er Stücke von mir gegen, und bald schauten wir Fussball zusammen. Ich spreche eigentlich nicht so gerne. Doch die Arbeit mit ihm ist sehr rede-intensiv. Wir diskutieren über Themen, Formen und Umsetzung. Und oft ist es einfach auch sehr lustig.

Schlachthaus-Theater, Mi, 10. April, 19 Uhr, bis 14. April

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