Regen in Pyramiden

Flüssige Heilkraft? Die Soundwolken von Aleksi Perälä haben eine nebulöse Herkunft.

Perälä hat ein eigenes Frequenz-System entwickelt und arbeitet mit Mikrotonaliäten – die indische oder afrikanische Musik kennt diese schon lange.

Perälä hat ein eigenes Frequenz-System entwickelt und arbeitet mit Mikrotonaliäten – die indische oder afrikanische Musik kennt diese schon lange.

(Bild: zvg)

Xymna Engel

«Purple Rain»? Nein, kein bisschen Prince. In diesem Fall lässt es der Finne Aleksi Perälä regnen, ohne dass ein einziger Tropfen fällt. Sein «Purple Rain» ist ein blubbernder 9-Minuten-Track, in dem Noten auseinandergezerrt werden, um irgendwo im Dazwischen zu landen. Klingt unheimlich? Ist es auch. Aber noch unheimlicher ist die Machart dieser Soundwolke. Jedenfalls ist sie gar nicht so einfach zu erklären. Kurz zusammengefasst: Perälä hat ein eigenes Frequenz-System entwickelt und arbeitet mit Mikrotonaliäten – die indische oder afrikanische Musik kennt diese schon lange.

Colundi heisst das uralte Stimmsystem «nichtlinearer Satz von 128 Frequenzen», das die Art, wie Perälä Musik machte, komplett veränderte – monatelang machte er selber keine Musik und keine Beats mehr, lebte «im Bereich stehender Wellen und Drones». Er spielte mit Sinuswellen herum und machte Klangexperimente, die irgendetwas mit den Proportionen in den Kammern in der Grossen Pyramide von Gizeh zu tun haben. Und ab hier wird es etwas abstrus: Perälä spricht von seiner Musik als «flüssige Heilkraft», von «purer, unlimitierter Energie», die Religionen überflüssig machen werde.

Er selber sei nur das Medium. Bevor wir uns aber zusammen mit Perälä verirren, halten wir uns besser am Sound fest: Seine Stücke, die Titel wie «UK74R1618020» oder «UK74R1618030» tragen (dahinter steckt natürlich eine weitere Theorie), mäandern zwischen Kellerclub und Kirchenhaus. Es ist eine synthiegetriebene Musik, die sich zum Meditieren anbietet, aber nicht im Hintergrund verrauscht. Kein Wunder, veröffentlicht Perälä auch auf dem Label von Aphex Twin, dem Übermeister der elektronischen Schrägheit.

Colundi werde die Welt verändern, sagt Perälä. So weit wird es wohl nicht kommen. Aber es ist gut möglich, dass Colundi die Wahrnehmung von ihr verändert – zumindest für eine Nacht.

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