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«Plattgebügelt wird nichts»

Opern-Rarität am Stadttheater: Regisseur Elmar Goerden und Schubert-Experte Mario Venzago inszenieren Schuberts «Fierrabras».

Regisseur Elmar Goerden versteht das Bühnenbild von «Fierrabras» als grossen Assoziationsraum.
Regisseur Elmar Goerden versteht das Bühnenbild von «Fierrabras» als grossen Assoziationsraum.
Adrian Moser

Franz Schubert hat während seines kurzen Lebens – er starb 1828 mit 31 Jahren – immer wieder für die Bühne komponiert. Doch seine Opern sind weitgehend unbekannt. Wie kann das sein? Wie kann ein Komponist, der als Liedkomponist so Dramatisches wie den «Erlkönig» komponiert hat, als Opernkomponist wenig taugen? So sei das natürlich nicht, relativiert Elmar Goerden.

Der Deutsche, der in Bern bereits im Schauspiel Regie geführt hat, bringt jetzt Schuberts letzte vollendete Oper «Fierrabras» auf die Bühne. Ein aufwendiges Projekt. «Das ist eine Festival-Produktion. Eigentlich braucht es einen Doppelchor, um das Werk aufzuführen.» Und erst die Fülle an musikalischen und literarischen Stilen. Melodramatisches, Rezitative, Arien. Auch rein Gesprochenes. «Im Grunde eine kuriose Mischung», sagt Goerden.

Das Libretto des österreichischen Theaterdichters Joseph Kupelwieser sei zudem nicht sehr zeitgemäss. Deshalb hat er zusammen mit Chefdirigent Mario Venzago – «ein grosser Schubert-Experte», so Goerden – die Dialoge überarbeitet und einige Rezitative mit musikalischem Material von Schubert unterlegt. «Dazu erfunden wurde nichts. Wir haben nur geschärft, was da ist.»

Verzicht auf Glück

Anders als im Original wird die Berner Inszenierung von «Fierrabras» nicht in einem konkreten historischen Rahmen verortet. Also kein Mittelalter, keine Romantik des 19. Jahrhunderts. Schubert habe das so angedacht: «Das Werk könnte in der Vergangenheit ebenso spielen wie in einer fernen Zukunft.» Deshalb verlegt Goerden das Werk in Assoziationsräume, die Durch- und Einblicke ermöglichen. Der Vorteil: Die Innensichten der Figuren, ihre Gedanken und Seelenleben werden wichtiger als die Handlung.

Vordergründig geht es um den Kampf Karls des Grossen gegen die Mauren. Aber es werden auch zwei Liebesgeschichten erzählt. Eine findet zwischen einer Prinzessin und einem armen Ritter, die andere über feindliche Linien hinweg statt. Dazwischen steht der Titelheld Fierrabras, der zugunsten des Friedens zwischen Christen und Arabern auf sein persönliches Glück verzichtet.

Er liebe seine Darsteller, sagt Elmar Goerden, der in Deutschland bereits mehrfach für seine Regie ausgezeichnet worden ist. Diese besondere Zuneigung zu seinen Leuten habe damit zu tun, dass er als Regisseur immer wieder beeindruckt sei von der Art, wie diese Leute als ihr eigenes Material auf der Bühne stehen. «Sie sind ausgeliefert und verletzlich, bis sich eine Figur konkretisiert. Sie sind Fabeltiere. Gemeinsam horchen wir die Texte aus und probieren Spielweisen.» In der Oper, wo die Musik das Primat hat, sei das besonders wichtig. Denn: «Plattbügeln werden wir nichts.»

Stadttheater Bern So, 27. Februar, 18 Uhr (Premiere)

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