Nicht experimentell, aber existenziell

Chain & The Gang paaren philosophische Zeitgeistkritik mit kompromisslosem Garage Rock.

«Chain & The Gang» ist mehr ein Projekt als eine Band.

«Chain & The Gang» ist mehr ein Projekt als eine Band.

(Bild: zvg)

Soeben hätten sie mit ihrem sechsten Album «Experimental Music» ein Werk herausgegeben, welches als Superklassiker in die Geschichte eingehen werde, lassen Chain & The Gang in ihrem Pressetext verlauten. Dass die Ansage der Formation aus Washington DC nicht gänzlich ernst gemeint sein kann, wird dann allerdings schnell einmal klar. So teilen die Damen und Herren mit, dass sie mit «Experimental Music» sämtliche Fragen beantworten würden, welche zum Beispiel John Cage, Yoko Ono oder Lamonte Young gestellt hätten. Somit bestehe in der Zukunft ja wohl kein Bedürfnis mehr für Experimente in der Musik.

Als Kopf von Chain & The Gang fungiert Ian Svenonius, seines Zeichens umtriebiger Sänger und Trompeter, der mit zahlreichen Projekten rund 20 Alben und etwa gleich viele Singles herausgegeben hat. Ein Vierteljahrhundert ist es mittlerweile her, dass Svenonius mit den Post-Hardcore-Helden Nation of Ulysses zum ersten Mal in Erscheinung getreten ist. Seitdem hat er sich in unterschiedlichsten musikalischen Gefilden ausgetobt. So liebäugelte er bei The Make Up mit dem Gospel und frönte mit The Scene Creamers dem psychedelischen Funk. Eine Konstante zieht sich dabei wie ein roter Faden durch sämtliche von Svenonius’ Unterfangen: Alle haben sie ihre ideologischen Wurzeln in der Haltung des Lo-Fi-Rock-’n’-Roll der späten 60er-Jahre, welcher nicht geschliffen und poliert klingen will, sondern vielmehr danach trachtet, Mainstream-Mechanismen zu unterwandern.

Genau dies ist denn auch das Ansinnen von Svenonius’ aktuellstem Projekt «Chain & The Gang», ein Projekt mit losem Line-up, welchem diverse Musiker und Musikerinnen der D.C.-Indie-Rock-Szene angehören. Philosophische Zeitgeistkritik wird hier mit kompromisslosem Garage Rock gepaart, Kapitalismuskritik trifft auf ungeschliffenen Düster-Blues. Nein, experimentell ist das nicht. Aber existenziell.

Rössli Reitschule Sonntag, 11. Februar, 20 Uhr.

Der Bund

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