«Muss man sich um Sie Sorgen machen, Herr Vescoli?»

In den 60er-Jahren gehörte Toni Vescoli mit seiner Band Les Sauterelles zu den grössten Popstars der Schweiz. Wie er solo klingt, ist in der Mahogany Hall zu hören. (am 7. November)

«In meinen Songs spreche ich über gesellschaftspolitische Belange, bin kritisch und mache auch mal meinem Ärger Luft», sagt Toni Vescoli über seine Musik.

«In meinen Songs spreche ich über gesellschaftspolitische Belange, bin kritisch und mache auch mal meinem Ärger Luft», sagt Toni Vescoli über seine Musik.

(Bild: zvg)

Ihr 13. Soloalbum trägt den Titel «Gääle Mond». Warum?
Das Album ist benannt nach einem der darauf enthaltenen Songs, der mir sehr wichtig ist. Manche meiner Songs entstehen ja innerhalb von zwei Stunden, bis «Gääle Mond» fertig war, dauerte es etwa fünf Jahre. Darin wird der Mond in seiner Funktion als Lichtbringer beschrieben, also quasi als Ersatzsonne für Menschen, welche auf der düsteren Seite des Lebens stehen. Der Mond ist ein Faszinosum. Nach völliger Dunkelheit beginnt er immer wieder als schmale Sichel neues Licht ins Leben zu bringen. In der Astrologie ist er im Haus des Gefühlslebens angesiedelt – ich habe den Mond in der Jungfrau. Das heisst, dass ich etwas pingelig, aber auch sehr präzise und leidenschaftlich bin.

«…für Menschen, welche auf der düsteren Seite des Lebens stehen.» Muss man sich um Sie sorgen, Herr Vescoli?
Keinesfalls! Mir gehts bestens. Ich habe allerhöchstens kleine Alltagssorgen, die man halt so hat im Leben. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau.

In der Konzertbeschreibung steht, dass Sie einen Mix aus «hand- und fussgemachter» Musik fabrizierten. Was heisst das konkret?
Ich bin lange Zeit in Kleintheatern unplugged aufgetreten, dabei wurde das Stampfen mit dem Fuss zum wichtigen Soundelement. Darum habe ich in einen meiner Stiefelabsätze ein Triggermikrofon eingebaut, das mein Stampfen verstärkt. Ich ersetzte also quasi einen Schlagzeuger mit meinem linken Fuss.

Sie fabrizieren Americana, dazu singen Sie zürichdeutsche Texte. Gab es nie Bestreben, mit hochdeutschen Songs einen grösseren Markt zu erobern?
Doch. 1976 habe ich ein hochdeutsches Album eingespielt. Ich bin dann aber schnell wieder zur Mundart zurückgekehrt, weil das Hochdeutsche für mich wie ein Fremdkörper war. Wenn ich Lieder in Hochdeutsch singe, dann ist das, wie wenn ich jemandem die Hand schüttle und dabei Handschuhe trage. Die Berührung ist einfach nicht die gleiche, weil da ein fremdes Medium dazwischen ist. Mundart ist authentischer, echter. Einige deutsche Freunde sagten damals, dass ich doch Hochdeutsch sprechen solle wie der Emil. Den liebe man in Deutschland. Ich bin aber kein Komiker. In meinen Songs spreche ich über gesellschaftspolitische Belange, bin kritisch und mache auch mal meinem Ärger Luft.

Derzeit spielen Sie ja auch mit Les Sauterelles wieder Konzerte, den Schweizer Beatles, wie man sie auch nannte. Was macht mehr Spass: Band oder solo?
Es macht beides Spass, auch wenn meine Synapsen derzeit ordentlich gefordert sind mit den unterschiedlichen Programmen. Aber ja: Meine Mundart-Americana-Songs, das bin halt einfach ich, meine Messages, mein Leben. Bei Les Sauterelles bin ich mehr ein Avatar. Bitte verstehen Sie mich richtig, ich spiele die Beatles-Songs wahnsinnig gern und stehe voll dahinter. Aber zu Hause im stillen Kämmerchen arbeite ich dann schon lieber an eigenen Songs.

Donnerstag, 7. November, 20 Uhr, Mahogany Hall.

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