«Mit Humor überschreitet man Grenzen, mit Ironie nicht»

Choreograf Jo Stromgren erzählt im Interview, wieso er in seinem Stück «Salve Regina» keine Geschichte erzählen will.

Der 48-jährige Choreograf Jo Stromgren im Interview.

Der 48-jährige Choreograf Jo Stromgren im Interview.

(Bild: zvg)

«Salve Regina» heisst das Stück, das Sie mit der Tanzcompagnie Konzert Theater Bern einstudieren. Welche Geschichte wollen Sie uns erzählen?
Keine. Und das find ich spannender. Die Musik von Monteverdi, Scarlatti, Vivaldi und Jorgen Knudsen legt eine Tonspur von der Renaissance in die Gegenwart. In sie flechten wir bewegte, suggestive Bilder. Die werden in den Köpfen viele Geschichten auslösen.

Sie arbeiten als Regisseur, freischaffender Choreograf, haben in Norwegen eine eigene Company, sind Theaterautor und Filmemacher. Haben Sie keine Angst, sich zu verzetteln?
Im Gegenteil. Die Möglichkeiten, mich zwischen den Sparten zu bewegen, bedeutet Freiheit. Ich kann das passende Format für eine Idee wählen. Schon als Tänzer hatte ich oft das Gefühl, eine Geschichte würde als Film oder Theater besser funktionieren.

Sie waren zuerst Tänzer?
Ja. Mit 17 war ich als Austauschstudent in Madrid und begann Flamenco zu tanzen. Ziemlich exotisch für einen Norweger! Im Training gab es einen, der noch stärker auffiel als ich. El Suizo war ein strohblonder Schweizer mit Vokuhila-Haarschnitt. Der Star der Truppe. Wenn der Flamenco kann, kann ich das auch, dachte ich. Später trainierte ich Ballett und Contemporary und tanzte in einer Company. Nach einer Verletzung habe ich meinen Fokus aufs Choreografieren, Schreiben und Filmen gelegt. An Ideen fehlt es mir zum Glück nie.

Ihre Produktionen wurden in über sechzig Ländern gezeigt. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Die letzten zehn Jahre habe ich vor allem mit Schauspielern gearbeitet. Mit Text also. Sprache hat viel Kraft, Logik ist wichtig. Im Tanz funktionieren die Figuren assoziativ. In vielen Projekten mit meiner Company habe ich ein Mittelding ausprobiert. Ich liess die Tanzenden Kauderwelsch sprechen. Eine abstrakte Sprache, die nichts bedeutet. Die Reaktion des Publikums ist immer spannend. In England wurde gelacht, alle glaubten, es handle sich um Comicsprache. In Weissrussland dagegen blieb man ernst, weil man politische Botschaften vermutete. Mein Fazit: Mit Humor überschreit man Grenzen, mit Ironie nicht.

In Bern bestreiten Sie mit der israelischen Choreografin Sharon Eyal einen Doppelabend. Was unterscheidet Sie?
Da gibt es einiges. Der Abend heisst auch nicht zufällig «Kontraste». Der grösste Unterschied ist wohl der: Wer einmal ein Stück von Sharon Eyal gesehen hat, erkennt ihren Stil immer wieder. Bei mir gibt es viel Unvorhersehbares. Für einige Tänzer mag das ein Nachteil sein. Meine Stücke verlangen viel Flexibilität.

Vor 20 Jahren traten Sie erstmals in Bern auf. Sie zeigten an den Berner Tanztagen «The Art of Football», eine Persiflage auf die Fussballwelt. Erinnern Sie sich?
Sehr gut sogar. Wir führen ja über all unsere Auftritte Buch. Im Ranking der schlechtesten Aufführungen ist diese Vorstellung bis heute zuoberst. Wir waren jung und verbrachten die Zeit vor dem Auftritt in der Aare. Das Schwimmen war herrlich. Der Performance aber ist es nicht gut bekommen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...