Zum Hauptinhalt springen

«Männer werden schon gelobt, wenn sie einen halben Tag zu Hause sind»

Verena Endtner porträtiert in ihrem Film «Von der Rolle» Familien, bei denen die Frau die Haupternährerin ist. (ab Do, 27.2.)

Die Regisseurin selbst teilt sich die Arbeit gleichberechtigt mit ihrem Partner.
Die Regisseurin selbst teilt sich die Arbeit gleichberechtigt mit ihrem Partner.
zvg

Wenn es um Fragen der Gleichstellung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, bekommen Diskussionen oft etwas Gehässiges. Nehmen Sie das auch so wahr?

Ja. Das Thema ist halt sehr persönlich. Wer will schon vorgeschrieben bekommen, wie er oder sie zu leben hat? Darum vermeide ich es in meinem Film, dogmatisch zu werden, wenn es um Familienmodelle geht. Ich wollte möglichst locker an die Thematik herangehen.

Was hat Sie angetrieben?

Es ist ja so: Bevor Kinder da sind, lebt man relativ selbstbestimmt in einer Partnerschaft. Kaum wird man eine Familie, tendieren viele dazu, in traditionelle Rollenmuster zurückzufallen: Die Frau bleibt zu Hause oder reduziert ihr Pensum. Die meisten sagen zwar, sie möchten es anders machen als ihre Eltern, aber es gelingt ihnen nicht, und das führt zu einem Frust. Ich erlebe derzeit viele Frauen und Männer in diesem Zwiespalt. Und darum werden viele auch so emotional bei diesen Fragen.

Familienmodelle gibt es ja so viele, wie es Familien gibt. Wie haben Sie die drei Paare für den Film ausgewählt?

Wir nahmen die drei gängigsten Modelle, die in der Schweiz gelebt werden – aber mit umgekehrten Rollen: Familien, in denen die Frau gleich viel oder mehr zum Erwerbseinkommen beiträgt als der Mann.

Wie schwierig war es, ein Paar zu finden, bei dem der Mann zu hundert Prozent für Kinder und Haushalt zuständig ist?

Gar nicht so einfach. Vor allem, jemanden zu finden, der aus freien Stücken Hausmann ist und nicht aufgrund von äusseren Umständen.

Gerade bei dieser Familie zeigt sich im Film, dass die Gesellschaft immer noch argwöhnisch ist, wenn eine Frau Vollzeit ausser Haus arbeitet.

Ja, und es ist kein Zufall, dass es auch hier die Frau ist, die sich rechtfertigen muss. Das traf übrigens auf alle unsere Paare zu, egal, welches Modell sie leben. Wird eine berufstätige Frau schwanger, fragt der Arbeitgeber sie, wie sie sich künftig organisiert. Männer werden das nicht gefragt. Die primäre Verantwortung für die Familie scheint immer noch bei der Frau zu liegen. Männer werden schon gelobt, wenn sie einen halben Tag in der Woche zu Hause sind.

Im Film sagt eine Frau einmal, sie könne zwar mit Werkzeug umgehen, möchte aber trotzdem manchmal Prinzessin sein. Wie stark sind herkömmliche Rollenbilder auch bei emanzipierten Menschen verankert?

Die stecken noch stark in den Köpfen. Letzthin sprach ich mit einem Kollegen und erwähnte nebenbei mein Kind. Er meinte, man sehe mir gar nicht an, dass ich Mutter sei. Ja, wie soll denn eine Mutter aussehen? Offensichtlich hat der grösste Teil der heutigen Erwachsenen die traditionellen Familienstrukturen mit der Muttermilch eingesogen.

Wie sieht Ihr eigener Alltag als berufstätige Mutter aus?

Mein Partner und ich haben gemeinsam eine Produktionsfirma – und wir arbeiten gleich viel, wir schauen gleich viel zum Kind, machen gleich viel im Haushalt und verdienen gleich viel. Das stand schon fest, bevor wir Eltern wurden.

Vorpremiere: Kino Club, Donnerstag, 27. Februar, 20 Uhr, mit Podium. Ab 5.3 im regulären Programm.

Information betreffend Coronavirus-Massnahmen: Der Anlass findet nach Angaben der Veranstalter statt. Bitte informieren Sie sich direkt über die Webseite oder die Facebookseite des Veranstalters über den aktuellen Stand und die Einlassbedingungen.

Zum Inhalt

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch