Krank und traurig

Das Berner Label BlauBlau Records lädt die Defätisten der Stadt zu einer niederschmetternden Nacht in den ISC.

BlauBlau Records lädt bereits zum vierten Mal zum Label-Abend.

BlauBlau Records lädt bereits zum vierten Mal zum Label-Abend. Bild: facebook.com/blaublaurecords

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Nun, die Prämisse für den Abend ist klar: «A Sick Sad World» heisst der Anlass, und die geladenen Bands werden nicht darum bemüht sein, diesen Slogan zu dementieren. Bereits zum vierten Mal lädt das Berner Kollektiv BlauBlau Records zum gleichnamigen Themenabend. Und weil das Label mit dem Untervertragnehmen von Bands weniger fleissig ist als mit dem Veranstalten von Label-Nights, treten dieses Mal lauter Bands auf, deren Tonkunst zwar nicht auf BlauBlau Records erscheint, aber sehr wohl als artverwandt durchgeht.

Da wäre zum Beispiel die Gruppe Aloïs, die auf ihrem kürzlich erschienenen Album «Mints» eine blumige Form des Traumpops in die Welt setzt. Die Synthesizer klingeln, die Gitarren hallen, die Stimmen sind freundlich, wenn auch ein bisschen niedergeschlagen. Doch die Welt von Aloïs mag noch so sick und sad sein, die Leute winken sich darin trotzdem freundlich zu.

Etwas, was in der Welt von Verveine kaum geschehen würde. Hier sorgen betagte Drum-Computer für ein mulmiges Donnerklima, dazu gurren Analogsynthesizer in finstersten Moll-Akkorden, und die Sängerin aus Vevey setzt darüber Melodien von abgründiger Schwermut. Als Inspirationshilfen nennt sie die schwedischen Avantgarde-Elektro-Untergrundkämpfer The Knife und den italienischen Film-Soundtrack-Schattenmann Angelo Badalamenti.

Eine etwas andere Deutung ihrer Musik gibt die Zürcherin Taima Digital ab, die an diesem Abend ebenfalls zu Werke geht: «ein Kompromiss zwischen Gospel, Shoegaze und Codeine-Pop» nennt sie ihre Musik. Mal ganz abgesehen davon, dass Verfechter der rassenreinen Gospelmusik hier nur wenige Andock-Punkte finden dürften, geht von dieser experimentierfreudigen elektro-akustischen Sonderbar-Musik ein ganz wunderlicher Reiz aus.

Wer dann immer noch nicht genug hat, für den legt der Plattentellermann Chaudlait bis in die Morgenstunden kranke und traurige Tanzmusik auf.

ISC Freitag, 8. Dezember, 22 Uhr.

Erstellt: 07.12.2017, 06:46 Uhr

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