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Klingende Dystopie

Das neue Projekt Oymoz des Berners Antonio Albanello verwirrt und schwebt. (So, 26. Januar)

Ohne Gravitation: Antonio Albanello.
Ohne Gravitation: Antonio Albanello.
zvg

Es beginnt schauderhaft: Kirchenorgel-Tieftöne kreieren ein unheildrohendes Ambiente, in ihrer Hallfahne verdichten sich Harmonien zu einem Sound majestätischer Brenzligkeit, die sich ein Kirchenorganist selbst für die traurigste Beerdigung nicht heraufzubeschwören wagte. Bald mischt sich eine manipulierte Stimme ins Geschehen ein, eine gequälte Seele, die vom Zerrinnen der Zeit berichtet.

Der Urheber dieser klingenden Dystopie ist der Berner Antonio Albanello, der seit den frühen Achtzigerjahren immer wieder mit aparten Ideen aufgefallen ist, sei es als Teilzeit-Cantautore unter dem Namen Albanello oder als Brunstsänger der gloriosen Nihilisten-Combo Dnjepr. Nun legt er unter dem Namen Oymoz ein verwirrendes elektronisches Album vor, das in diversen Etappen in Berlin, an der Nordsee und unter anderem auch in der Berner Heiliggeistkirche Form angenommen hat.

Oder man müsste wohl besser sagen, dass ein Grossteil der Energie darauf aufgewendet wurde, entstehende Formen möglichst aufzulösen. Gewisse Lieder klingen wie entrümpelte Remixes von Songs, deren Originalfassungen irgendwann verworfen wurden, Spurenelemente von Pop werden zu bisher selten probierten Klang-Tinkturen verrührt.

Jeder Song weist irritierende Lücken auf, manche vollführen das Kunststück, gleichzeitig zu schweben und zu stampfen, es ist, als sei die Gravitation ausser Kraft gesetzt. In den besten Momenten erinnert das entfernt an die elektronischen Essays eines David Bowie in den Neunzigerjahren («Gods TV»), in den weniger gelungenen Nummern führt das offensichtliche Popwollen bei gleichzeitigem Verwischen desselben zu energetischen Störungen.

Rössli Reitschule, Sonntag 26. Januar, 20 Uhr

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