«Ich wäre ein lausiger Auftragsfotograf»

Nicola Schmid setzt in seinen Bildern den Menschen in den Vordergrund - authentisch und ohne Vorwarnung.

Nicola Schmid schätzt, dass er pro Abend rund 100 Bilder schiesst - rund ein Drittel davon veröffentlicht er in seinem Blog.

Nicola Schmid schätzt, dass er pro Abend rund 100 Bilder schiesst - rund ein Drittel davon veröffentlicht er in seinem Blog. Bild: zvg

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Die Ausstellung mit Ihren Fotografien trägt den Titel «Berner Nachtgeschichten 00.00 – 12.00». Welche Geschichten erzählen Sie?
Die Ausstellung zeigt Bilder, welche alle zwischen Mitternacht und Mittag entstanden sind. Entsprechend erzählen meine Bilder Geschichten von Feierabend, Nachtarbeit und Partys. In erster Linie stehen aber die Menschen im Vordergrund.

Was ist für Sie als Fotograf am nächtlichen Zeitraum spannend?
Zum einen ein technischer Aspekt. Momentan fotografiere ich vorzugsweise mit Blitz, wobei ich den Film gerne pushe, also höher belichte als vorgegeben. Dadurch werden Schatten verwischt und Kontraste erhöht. Somit stehen vor allem Gesichter im Fokus, und die Hintergründe verschwimmen. Zum anderen ist die Nacht halt auch mein Metier, weil ich selber meistens nachts unterwegs bin und arbeite, sei es an der Bar im Dachstock der Reitschule oder an kulturellen Veranstaltungen. Ich habe dann einfach oft Lust zu fotografieren, zumal die Nacht ein Setting für spannende Momente liefert.

Wir leben in einer Zeit, in welcher Smartphone-Kameras omnipräsent sind. Gerade im Nachtleben ist man sich gewohnt, für Fotos zu posieren und sich dabei von der besten Seite zeigen zu wollen. Wie wichtig ist Ihnen Authentizität für Ihre Bilder?
Mich interessiert die Authentizität des Momentes. Ich bin furchtbar schlecht darin, Menschen Anweisungen zu geben, wie sie posieren sollen. Ich kann nicht ein Bild bewusst komponieren, damit dieses und die Menschen darin dann «gut» aussehen. Ich wäre ein lausiger Auftragsfotograf. Es sind vielmehr Situationen und Momente, die ein Gefühl in mir auslösen, das ich einfangen möchte und die mich spontan abdrücken lassen.

Sie sind bekannt dafür, ständig die Kamera im Anschlag zu haben. Wie viele Fotos kommen zusammen in einer Nacht? Und drücken Sie einfach ab oder fragen Sie zuerst, ob sie fotografieren dürfen?
Ich fülle zwei bis drei Filme pro Nacht, schiesse also rund 100 Fotos. Davon schafft es etwa ein Drittel in meinen Fotoblog. Meistens drücke ich einfach ab, denn wenn ich frage, entsteht ein anderes Foto. Man muss dazu aber sagen, dass ich vor allem mein Umfeld fotografiere. Wenn man mit mir unterwegs ist, ist absehbar, dass man früher oder später auf einem Foto landet. Das ist schon seit rund 10 Jahren so, entsprechend herrscht da eine stille Übereinkunft. Aber ich respektiere selbstverständlich, wenn jemand nicht fotografiert werden will.

Sie veröffentlichen Ihre Fotos auf Ihrem Blog «Nine Whores On Crack Under A Starry Sky», also «Neun Huren auf Crack unter einem Himmel voller Sterne». Ein erklärungsbedürftiger Name.
Ich war 18. (lacht) Ich hatte so ein Bild im Kopf von Menschen, welche unter einem Baum den Feierabend geniessen und dabei in den Sternenhimmel schauen. Heute passt der Name schon nicht mehr so ganz. Ich habe mir überlegt, ob ich ihn ändern soll. Aber irgendwie gehört er halt auch zu mir. Schon okay.

(Der Bund)

Erstellt: 24.01.2019, 06:54 Uhr

Zur Person

Schon als Kind hat Nicola Schmid seine Playmobil-Figuren abgelichtet, heute fängt der 28-Jährige vorzugsweise das Lebensgefühl der Szene im Perimeter Bollwerk, Schützenmatte und Reitschule ein. Die ausdrucksstarken Fotografien des gelernten Polymechanikers, der heute in der Gastronomie tätig ist, sind ab 24. Januar in der Ausstellung «Berner Nachtgeschichten 00.00 – 12.00» im Kornhausforum zu sehen.

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