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«Ich improvisierte mit allem, was mir in die Hände kam»

Francisco Coll hat ein Doppelkonzert für die Camerata Bern komponiert, bei dem er zudem als Dirigent am Pult stehen wird.

Der 33-jährige Francisco Coll ist Komponist und Dirigent.
Der 33-jährige Francisco Coll ist Komponist und Dirigent.
zvg

Im Netz gibt es Bilder von Ihnen. Und Musik. Sind Sie Musiker oder Maler?

Musik und Malerei sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Ich bin in beiden Disziplinen zu Hause.

Wie kommt das?

Aufgewachsen bin ich in Valencia in Spanien. Mein Lieblingsspiel als Vierjähriger war, auf dem Hof mit einem riesigen Pinsel Formen auf den Boden zu malen. Mich faszinierte, wie das Wasser in Bewegung kam und die Formen unsichtbar wurden, sobald Teile wegen der brütenden Hitze verdampften. Inspiriert war ich durch Miró. Der Maler war für mich ein Erwachsener, der wie ein Kind malt. Gleichzeitig erwachte aber auch die Liebe zur Musik. Ich improvisierte mit allem, was mir in die Hände kam. Irgendwann war klar, dass ich Künstler werden will. Aber ich wusste nicht, ob Musiker oder Maler. Andere Optionen gab es für mich nie.

Sie sind heute als Komponist von Neuer Musik gefragt. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie nicht mit Neuer Musik aufgewachsen sind?

Die kam später. Ich stamme nicht aus einer Musikerfamilie, lernte aber Posaune und spielte im lokalen Blasorchester. In der Schule lernte ich Flamenco-Lieder kennen. Zigeunermädchen sangen sie in den Pausen. Prägend für mich war auch meine Mutter: Als Krankenschwester hörte sie im Spital, klassische Musik beeinflusse die Entwicklung eines Babys positiv. Das nahm sie sich zu Herzen. Sie kaufte eine Kollektion mit 50 CDs, von Scarlatti, Vivaldi, Mozart bis Strawinsky war da alles drauf. Jeden Tag legte sie eine andere Musik auf. Das hat mich nachhaltig beeinflusst.

Sie sagten einmal, auch der Surrealismus habe Sie geprägt. Inwiefern?

Stimmt. Zuerst war Miró mein Vorbild, später kam Salvador Dalí dazu. Ich war besessen von seiner Kunst. Gleichzeitig schockierte mich die Radikalität, wie er seine universellen Träume und Ängste ausdrückte. Der Surrealismus ist Teil meiner künstlerischen DNA. Er spiegelt sich auch in «Les Plaisirs illuminés»...

... dem Doppelkonzert, das Sie für die Camerata Bern komponiert haben. Wie kam es dazu?

Vor drei Jahren war ich an einer Probe zu einem Konzert, an dem Patricia Kopatchinskaja, die heutige Leiterin der Camerata, Schumanns Violinkonzert spielte. Wir kannten uns noch nicht. Sie sagte, sie habe meine «Hyperludes» für Solovioline gehört. Wenn ich ihr die Noten beschaffen würde, dann spiele sie das Stück nach Schumann als Zugabe. Sie lernte das komplexe Stück in zehn Minuten.

Das Konzert «Les Plaisirs illuminés» ist ein Werk für Violine, Cello und Orchester.

Patricia Kopatchinskaja und Sol Gabetta werden die Soli in Bern spielen. Ich habe das Werk für die beiden komponiert. Diese Musikerinnen sind eine Inspiration für jeden Komponisten.

Sie werden am Pult stehen, obwohl die Camerata sonst ohne Dirigenten auftritt

Dirigieren hat mich immer gereizt. Es hat sich aber nie ergeben. Bis zur Uraufführung im Februar. Patricia schlug mir vor, sie zu leiten. Ich habe mich minutiös auf den Moment als Dirigent vorbereitet. Die Reaktionen waren positiv. Ich werde es wieder tun.

Samstag, 15. im Konservatorium (19.30)und Sonntag, 16. Juni im Kursaal (17 Uhr)

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