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«Ich hätte nie so unverblümt über Menstruation geredet»

Die Kabarettistin Anna Katharina Rickert sagt, was sie für die Satireshow «Bundesordner 2019» von Steff la Cheffe gelernt hat. (Fr, 24. Januar)

«Heute sind wir expliziter»: Anna-Katharina Rickert tritt mit Ralf Schlatter seit 20 Jahren als Duo schön&gut auf.
«Heute sind wir expliziter»: Anna-Katharina Rickert tritt mit Ralf Schlatter seit 20 Jahren als Duo schön&gut auf.
zvg

Was fanden Sie das wichtigste Ereignis des vergangenen Jahres?

Dass uns bewusster geworden ist, Teil eines Systems zu sein, und wir dem Ausdruck verliehen haben. So viele Leute sind auf die Strasse gegangen, sei es für den Frauenstreik oder für Klimademos, und haben damit gezeigt, dass sie gehört werden wollen, dass sie aktiv sein wollen und nicht einfach alles an politische Entscheidungsträger delegieren.

Sie eröffnen die Show «Bundesordner 2019» mit einem Roxette-Medley und beleuchten später im «Büro für Streiks und Demonstrationen aller Art» den Frauenstreik. Wie wird entschieden, wer im Ensemble welche Themen übernimmt?

Wir treffen uns alle schon während des laufenden Jahres ein paar Mal und tauschen uns darüber aus, was uns gerade beschäftigt. Manchmal hat jemand schon eine erste Idee für eine Nummer, zeigt sie dem Plenum und bekommt Rückmeldung. Am 2. Januar rücken wir dann alle ein und arbeiten während einer Woche intensiv von morgens um 10 bis abends um 20 Uhr an den Nummern, schaffen Übergänge und setzten so die ganze Show zusammen.

Die «Bundesordner»-Künstlerinnen und -Künstler sind eine bunte Truppe, in der unterschiedliche Generationen vertreten sind. Welche Auswirkung hatte dies auf das Programm?

Mit der Rapperin Steff la Cheffe und der Slam-Poetin Lisa Christ haben wir dieses Jahr zwei neue Mitglieder dabei, die einiges jünger sind als ich. Ich fand ihren Blickwinkel enorm bereichernd. Zum Beispiel habe ich etwas über die Schweizer Rapperin Loredana gelernt. Spannend war auch zu sehen, dass sich junge Frauen heute teilweise mit den gleichen Dingen beschäftigen und für die gleichen Anliegen einstehen wie ich vor 30 Jahren, einfach in etwas anderer Form. Ich hätte mich etwa in jungen Jahren nicht getraut, so unverblümt und satirisch über Menstruation zu reden.

Sie selber sind mit Ralf Schlatter als Duo schön&gut seit 20 Jahren im satirischen Business. Wie würden sie hier Ihre Entwicklung beschreiben?

Vor 20 Jahren waren wir unbekümmerter. Heute sind wir politischer und expliziter. Früher hatten wir vielleicht noch das Gefühl, bestimmte Dinge darf man nicht sagen. Heute wissen wir: Man muss sie sagen.

Satirische Nachrichtensendungen boomen derzeit. Wie ordnen Sie diesen Trend ein?

Wenn sich jemand ausschliesslich mit satirischen Formaten über das Tagesgeschehen informiert, finde ich das heikel. Satire ist Überhöhung und nicht faktenbasierte, ausgewogene Berichterstattung. Satire bildet die Realität immer verzerrt ab, egal aus welcher politischen Ecke sie kommt. Ich persönlich versuche möglichst fundierte Nachrichten zu konsumieren und hoffe einfach, dass ich dabei nicht mit Fake-News konfrontiert werde. Ich kann nicht Satire konsumieren, um daraus Satire zu machen.

Theater National, Freitag, 24. Januar, 20 Uhr

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