«Ich habe einem morschen Wurzelstock Klänge entlockt»

Die Installation des Trompeters Werner Hasler im Orbital Garden lebt von der Natur – und dem Konzert ohne Bühne.

Krauchthal – Berner: Der Musiker Werner Hasler.

Krauchthal – Berner: Der Musiker Werner Hasler. Bild: zvg

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In «Out Too» vertonen Sie ein Plätzchen im Emmentaler Krauchthal. Wie müssen wir uns das vorstellen?
Ich bin mit einem Aufnahmegerät dorthin gewandert und habe Geräusche gesammelt. Unter anderem ein Bächlein, das an einer Stelle stillsteht und ab und an ein Blubbern von sich gibt. Oder den hellen Klang der Grashalme, wenn man darüberstreicht. Das Knirschen von Kies und das Schmatzen von Sumpf habe ich aufgenommen. Und einem Wurzelstock mit morschem Holz habe ich Klänge entlockt.

Sie haben sogar die Koordinaten angegeben von diesem Ort namens Hub: 465931.8N 73241.5E. Für alle, die selbst nicht hingehen werden: Wie sieht es dort aus?
Es gibt ein Bächlein, dem sich folgen lässt, bis man auf Wurzelstöcke trifft. Am Ende ist dieser überhängende Fels. Auf der einen Seite der Bach, auf der anderen eine Sandsteinwand. Dort angekommen, stehst du in einer Arena und blickst an bemooste Felswände. Oben auf den Felsen ist es mikroklimatisch sehr speziell: Die Baumarten sind anders als im Rest der Umgebung, es sieht schon fast südlich aus. Als Jugendlicher ging ich oft dorthin, es ist so etwas wie ein Kraftort für mich. Viele verschiedene Zustände treffen aufeinander: Es ist feucht, die Pflanzenvielfalt riesig, zum Teil ist es sandig, Bäume liegen quer über das Tal. Ein verwunschener Ort auf kleinster Fläche.

«Out Too» ist die musikalische Form davon?
Wir haben nicht den Ort vertont, sondern das Gefühl und die Intuition, die sich einstellen, wenn man sich dort aufhält.

Schon für Ihr letztes Werk «Out» haben Sie etwa in einem leer stehenden Bürogebäude und auf einem Parkplatz Musik aufgenommen und daraus eine Ausstellung konzipiert. Im Orbital Garden spielen Sie nun zur Installation auch ein Konzert, aber nicht im klassischen Sinne: Sie stehen unauffällig in einer Ecke, spielen Trompete und bedienen die elektronischen Geräte. Warum?
Hugo Ryser und ich wollten unbedingt diese Auflösung der Bühne, die uns in ihrer klassischen Form einfach kein Gesamterlebnis bietet. Bei der aktuellen Konzertreihe sitzen der Cellist Carlo Niederhauser und ich einander in grosser Distanz gegenüber und sind umgeben von den origamiförmigen Visuals, die sich durch unsere Klänge verändern. Zittert der Bass, kann es sein, dass das Bild mitzittert. So werden auch wir beeinflusst, was das Erlebnis zusätzlich intensiviert. Die Bühne soll ein begehbarer Ort sein. Ausserdem habe ich ein grosses Technik-Puff und mich deshalb in einer Ecke installiert, die den Zuschauerraum möglichst wenig belegt.

An Ihrem Vernissagenkonzert habe ich eine Biene gehört. Ist das eine aus dem Krauchthal?
Alle Geräusche sind dort aufgenommen, auch diese Biene, ja. Es ist sogar ein ganzer Bienenstock. Ich habe sämtliche Rhythmen und Klänge aus den Naturgeräuschen vom Hub und aus Cello- und Trompetensounds gebastelt. Nur an einem Ort habe ich einen Synthesizer verwendet, weil mir etwas gefehlt hat. Hundertprozentige Konsequenz finde ich gut, aber an dieser Stelle habe ich meinen Geschmack entscheiden lassen.^

War, wer Ihre Installation und das Konzert erlebt hat, tatsächlich irgendwie auch im Hub?
Wir schaffen die hyperrealistische Erfahrung einer real existierenden Welt, eine Weiterführung dieses Ortes. Die Realität aber bleibt unerreicht. Die Begegnung mit einer Frau, die sich unser Werk angesehen hat, fasst das ziemlich gut zusammen. Sie sagte: «Ich glaube zu wissen, was Sie inspiriert. Ich gehe dort aube spazieren.»

Werner Hasler ist Trompeter mit Vorliebe für elektronische Musik. Im Jahr 2016 hat der Berner mit «Out» eine Mischung aus Konzert und Ausstellung kreiert, nun folgt mit «Out Too» eine Installation: Mittels Visuals - konzipiert von Hugo Ryser und der Media Art Factory Optickle - und dem Cellospiel von Carlo Niederhauser hat er die Stimmung von einem bestimmten Ort im Emmentaler Krauchthal vertont und in den Orbital Garden verpflanzt. Täglich bis Sonntag, 14. 1., ab 18 Uhr: Installation und Ausstellung mit einer dazugehörigen Bildserie von stettlerbros 67. Ab 21 Uhr Konzert. (Der Bund)

Erstellt: 11.01.2018, 07:47 Uhr

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