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Ich denke, also konsumiere ich

Die Birkenmeiers verabschieden sich vor der Kabarettbühne. Sie wissen, wo der Schuh der Moderne drückt. (ab Mi, 4.3.)

Die Birkenmeiers fechten mit der Selfie-Gegenwart.
Die Birkenmeiers fechten mit der Selfie-Gegenwart.
Markus Räber

Mit Gehhilfen, Sonnenbrillen und Kopfhörern humpeln die Birkenmeiers auf die Bühne. In breitem Baseldytsch erklären sie, sie seien jetzt undercover im Bundesamt für Gesundheit unterwegs. Mit dem Programm «Schwindelfrei» treten die Geschwister Sibylle und Michael Birkenmeier nach 40 Jahren von der Kabarettbühne ab.

Politik ohne Badehosen

Im Verlauf des Stücks wird klar: Die Spionage reicht bis tief in die menschlichen Abgründe. Sibylle stellt sich etwa die Frage, was der Unterschied zwischen der Bachelorette und unserer Politik sei. Eine Frau und eine Handvoll Bewerber, die sie mit gescripteten Sätzen dazu bringen möchten, sich für sie zu entscheiden. Die Bachelorette sind wir Wähler, und Politik sei noch schlechter gespielt als die Fernsehsendung – «Gott sei Dank nicht in Badehose».

Eloquente Sprache

Der Abend ist inhaltlich dicht, in weiten Teilen aber auch eine Hommage an die deutsche Sprache. Diese tritt bei den Birkenmeiers in schweizerischer, österreichischer und hochdeutscher Variation auf. Und die Birkenmeier’sche Sprache ist hochstehend. Stellenweise wirkt das Kopfnicken einiger Zuschauer eher alibimässig, im Sinne von: Ja, doch, ich weiss natürlich, worum es geht. Doch in diesem eloquenten Sprachlabyrinth blitzen unweigerlich immer wieder Wahrheiten auf, die ins Schwarze treffen.

Die Birkenmeiers wissen, wo es dem Staat und der Gesellschaft wehtut, wo der Schuh der Moderne drückt. Dies beweisen sie in ihrer Messe für die unsichtbare Hand des Marktes: «Lasset uns bieten», denn die wahre Liebe ist schliesslich die liebe Ware, und wie sagte einst ein weiser Mann: «Cogito ergo consum.» Eher zum Nachdenken als zum Lachen regt schliesslich das Zitat von Hannah Arendt an, mit dem sich Birkenmeiers verabschieden: «Niemand hat das Recht zu gehorchen.»

La Capella, Mittwoch, 4. bis 7. März, jeweils 20 Uhr.

Information betreffend Coronavirus-Massnahmen: Der Anlass findet nach Angaben der Veranstalter statt. Bitte informieren Sie sich direkt über die Webseite oder die Facebookseite des Veranstalters über den aktuellen Stand und die Einlassbedingungen.

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