«Geteilte Peinlichkeit ist halbe Peinlichkeit»

Berner Woche

Die Spokenword-Literatin Stefanie Grob spricht im Interview über Fahrradschläuche, wo der Schuh drückt und warum sie am Guten im Menschen zweifelt (Samstag, 1. Juni).

Als Spokenword-Literatin ist Stefanie Grob auf Schweizer Bühnen unterwegs.

Als Spokenword-Literatin ist Stefanie Grob auf Schweizer Bühnen unterwegs.

(Bild: Ayse Yavas)

Xymna Engel

Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Ganz klar Serienstar MacGyver. Er bastelte aus kaputten Fahrradschläuchen Gasmasken und aus verbeulten Cola-Dosen UFO-Frühwarnsysteme. Dank ihm habe ich auf Interrail einen regentauglichen Rauchabzug fürs Zelt hingekriegt. Eine Konstruktion aus löchrigem Gummistiefel, Luftmatratzenpumpe und Milch-Tetrapak, die mich in der norwegischen Pampa draussen zur Heldin aller Backpacker machte.

An was glauben Sie?
An Helden, die kaputte Fahrradschläuche in Gasmasken verwandeln. Was ist dagegen schon Wasser in Wein?

An was glauben Sie nicht?
An das Gute im Menschen – zumindest kommen mir immer wieder Zweifel, wenn ich zu eingehend Zeitung lese.

Was hängt bei Ihnen über dem Bett?
Spinnweben.

Was ist Ihr grösster Schatz?
Wenn ich hier jetzt nicht sage mein Mann und unsere drei Kinder, werde ich interfamiliär gelyncht, was nicht unbedingt schöner ist als nach einem Sina-Konzert (siehe auch Antwort unten).

Wofür sparen Sie?
Ich habe meine Wünsche bis zur Erschwinglichkeit heruntergefahren.

Wann haben Sie sich das letzte Mal so richtig wild gefühlt?
Vorgestern beim Wohnungsputz mit einer Volldröhnung Roxette.

Welches sind Ihre aktuellen Süchte?
Koffein und Stimorol-Frost-Mandarin-Kaugummis. Leider gibts die nur im Winterhalbjahr, ich bin brutal auf Entzug.

Was ist Ihnen näher: das Leichte oder das Schwere?
Ich will das Schwere nicht auf die leichte Schulter nehmen, bin aber doch lieber beschwingt.

Wo zwickt es derzeit am meisten?
Also ich könnte sagen, wo der Schuh drückt (nämlich rechter Fuss links im Hallux-Bereich), aber wos zwickt? Mich zwickt nichts.

Was war der schönste Ort, den Sie besucht haben?
Die norwegische Pampa vor dem Dauerregen.

Was ist das Traurigste oder das Lustigste, was Ihnen je auf der Bühne passiert ist?
Ich musste einmal an einem kleinen Open Air als Vorband von Sina raus und einen politisch unkorrekten Spoken-Word-Text bieten. Seither weiss ich, dass Sina-Fans nicht mit Ironie und Sarkasmus vertraut sind. Ich wurde echt fast gelyncht.

Was bringt Sie dazu, einen Raum zu verlassen?
Rauchentwicklung. Feuer. Sina-Fans.

Was wissen nur die wenigsten Menschen über Sie?
Dass ich zum Putzen Roxette höre.

Wie sieht es aus, wenn Sie tanzen?
Ja eben! Ich hoffe zwar immer wie Marie Fredriksson, aber ich fürchte eher wie Per Gessle mit Besen statt Gitarre. Vielleicht sieht es aber auch aus wie MacGyver, der mit seinem frisch improvisierten Raketenabwehrsystem gegen wütende Sina-Fans kämpft.

Wofür möchten Sie Werbung machen?
Roxettes «Greatest Hits». Geteilte Peinlichkeit ist halbe Peinlichkeit.

Samstag, 1. Juni, Kino im Uferbau, 20 Uhr

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