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Gesichter voller Novellen

Unser Held der Woche ist etwas für Liebhaber paranoider Musik, zu der man auch tanzen kann.

Macht die soziale Wirklichkeit hörbar: Mark Stewart.
Macht die soziale Wirklichkeit hörbar: Mark Stewart.
zvg

Wer Helden nach ihren Helden fragt, darf nicht immer konkrete Antworten erwarten. Erst recht nicht von Mark Stewart, der unlängst einem Magazin antwortete: «Da war dieser grosse Typ, ein Unbekannter, sein Gesicht war wie eine Landkarte voller Geschichten, jede Falte eine Novelle für sich.» Es sind diese Kerben, die sich von den Ablaufrinnen der Städte bis in die Gesichter der Menschen ziehen, die Stewart in seinem Sound so meisterhaft spürbar macht. Paranoid, schmerzhaft – und tanzbar: So klang das in den späten 70ern, als Stewart mit seiner Band The Pop Group in Bristol erstmals die soziale Wirklichkeit hörbar machte.

Es war eine Zeit, in der man in den Plattenläden nach Alben von Iggy Pop regelrecht graben musste und sich stundenlang zum Konzert einer ominösen Band namens Sex Pistols durchfragte. Es war die Ära des Post-Punk, und Stewart rotzte seine Texte in einer Intensität ins Publikum wie kaum ein anderer vor ihm. Mit der Sicherheitsnadel durchstach er mit seiner Band Funk, Dadaismus, Dub und Punk, drei Alben lang. Nick Cave sollte später sagen: «Diese Musik hat mein Leben verändert, für immer.»

Doch schon nach vier Jahren war Schluss, Stewart widmete sich seiner Solokarriere bei Mute Records, kollaborierte mit Tricky, Massive Attack oder Trent Reznor und gründete mit Teilen der Sugarhill Gang die Band Mark Stewart & The Maffia. Und doch war mit The Pop Group noch nicht alles gesagt: 2010 feierte die Gruppe nach fast 30 Jahren ihre Wiedervereinigung. Ihr aktuelles Album «Honeymoon on Mars» ist ein dröhnender Beweis, dass die Kerben noch lange nicht verschwunden sind.

DampfzentraleFr, 10. 2., 22 Uhr. Danach: DJ-Set von Andrew Weatherall (UK).

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