Feldexperiment hinter dem Mond

Die Natur dient ihr als Inspiration, die Elektronik als Instrument: Die Bieler Musikerin Rea Dubach passt perfekt ans Festival Les Digitales.

Singt manchmal auch in einer Fantasiesprache: Rea Dubach alias «Das Reum».

Singt manchmal auch in einer Fantasiesprache: Rea Dubach alias «Das Reum». Bild: Daniel-Bernet/zvg

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«Da muss man schon Bock darauf haben, sich das zu geben», antwortete Rea Dubach vor zwei Jahren in einem Interview auf die Frage, wie ihre Musik beim Publikum ankomme. Seither hat sie unermüdlich europaweit Konzerte gespielt, mit ihrer Band Tellurian den Transnational Förderpreis von Be-Jazz gewonnen, Projekte angerissen, wieder versenkt und Tonträger herausgebracht.

An der Hochschule der Künste in Bern hat sie Jazz studiert; Andreas Schaerrer, Kopf der Band Hildegard lernt fliegen, war einer ihrer wichtigsten Mentoren. Schon während ihrer Studienzeit hat sie neu errungene Ertüftelungen flugs an Publikum getestet, ist regelmässig an WG-Partys, in Restaurants und sehr bald schon an renommierten Jazz-Festivals aufgetreten. Rea Dubach erfährt grosses Vertrauen in ihre Arbeit, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie jenseits jeglicher Zugänglichkeit amtet.

Quelle: Youtube.com

Der Rhythmus der im Jahr 1992 geborenen Bielerin ist schwindelerregend rasant. Schliesslich gilt es, was in ihr vorgeht, nach aussen in die Welt zu stülpen. Dabei hat sie eine Methode gefunden, wie sie dennoch nicht zu viel von sich preisgibt: eine eigene Sprache zum Beispiel, die sie als Kind erfunden hat und in der sie bis heute singt. Oder sie lernte Isländisch, um dann mit ihrer Band Síd ein ganzes Album in eben dieser Sprache zu veröffentlichen («Völuspá», erschienen im Mai dieses Jahres, wir berichteten).

Elektronik im Botanischen Garten

Jetzt tritt Rea Dubach alias «Das Reum» bei Les Digitales auf – so heisst das Festival des Berner Plattenhauses Everest Records. Es präsentiert einen Spätnachmittag lang bis in die angebrochene Nacht hinein elektronische Musik jeglicher Schattierung. Schauplatz ist der Botanische Garten – und Dubach passt mit ihren von der Natur inspirierten musikalischen Kostbarkeiten perfekt in die Szenerie: «Ich trage meine Musik unter meiner Haut. Sie steckt mir in den Venen und Knochen. Ich trage sie mit mir herum, und überall, wo ich bin, arbeite ich daran weiter.»

Ihre Kunst hat sie sich einverleibt. Für das Ohr hörbar macht sie diese mittels elektronischer Apparate analoger Art. Sie arbeitet mit allerlei Effektgeräten, durch die sie ihren Gesang speist und wunderlich verfremdet. So wird sie im Botanischen Garten ihre Stimme und die Umgebungsgeräusche vor Ort in Musik verwandeln.

Rea Dubachs Schaffen kennt nur einen Zustand: den Moment. Und den jetzigen beschreibt sie so: «Sphärisch verträumt, durch einen löchrigen Elektroteppich getragen, mit fehlenden Beats.» Fehlende Beats? «Ja!», sagt die Musikerin, «Ich fühle mich eingeengt in ein Korsett, wenn ich fixfertige Rhythmuskonstruktionen abspiele.» Für ihr Album, das im nächsten Jahr erscheinen soll, arbeitet sie an einer «‹reanischen› Beatkultur», wie sie sagt. Diese ähnele eher einem Knattern und Rutschen als einer klassischen Vorstellung von Rhythmus.

«Manchmal», sagt Rea Dubach, «fühle ich mich an meinen eigenen Konzerten, als würde ich hinter dem Mond stehen und um die Ecke herum auf die Erde gucken. Aber wissen Sie was? Ich mag das.»

Botanischer Garten Sa, 2. 9., 16 bis 22 Uhr (Der Bund)

Erstellt: 31.08.2017, 07:08 Uhr

Les Digitales

Vom Tribal-Electro einer Jessiquoi über Oli Kusters Klavier-Noise-Projekt Okra bis hin zum verhangenen House von Spacebox 720: Die Lokalvertretung im BoGa präsentiert sich vielfältig. Aber auch in Ost und West gedeiht Verheissungsvolles, etwa die düsteren Frickeleien des Genfers Play/Pause oder die Traum-Hymnen des St. Gallers Wassily.


www.les-digitales.ch/bern

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