Faust im Saxofon

Der Rockstar des Jazz? Auf jeden Fall beherrscht Kamasi Washington die grosse Geste.

«Our time as victims is over»: Kamasi Washington.

«Our time as victims is over»: Kamasi Washington.

(Bild: zvg)

Xymna Engel

Hat er wirklich den engen Anzug des Jazz gesprengt? Oder haben einfach die richtigen Musikjournalisten im richtigen Moment über ihn geschrieben? Vielleicht war es aber auch sein musikalischer Beitrag auf dem zukunftswilden Album «To Pimp a Butterfly» von Kendrick Lamar. Oder sein jahrelanges Engagement in der Band von Snoop Dogg. Auf jeden Fall ist nur schwer zu eruieren, wie genau es passiert ist, dass Kamasi Washington zum «Rockstar des Jazz» geworden ist, der an Indie-Festivals wie dem Pitchfork- oder dem Coachella-Festival auftritt. Ja, die Frage ist schon fast Gegenstand einer kulturellen Debatte über Indietum und seine Sucht nach Exotismus.

Sicher ist: Der Saxofonist aus Los Angeles hat den Jazz wieder in die Nähe des Rebellischen gebracht – und ziemlich opulent angerichtet. Auf seinem ersten Album «The Epic» versammelte er eine zehnköpfigen Band, 20 Sänger und 32 Streicher. Und auch sein aktuelles Werk «Heaven and Earth» beginnt in «Fists of Fury» mit einer grossen Geste: «Our time as victims is over / We will no longer ask for justice / Instead, we will take our retribution.» Dazu gibts orchestrale Streicher, einen unheilvollen Afrobeat und einen cineastischen Chor. Und wie auf «The Epic» dauern auch hier die Songs nur selten weniger lang als zehn Minuten. Und der Jazz? Der ist an vielen Stellen eigentlich ziemlich funky und klassisch. Doch egal, ob Kamasi nun als der grosse Erneuerer in die Geschichte des Jazz eingehen wird oder nicht: Was sich derzeit in seinem Windschatten tut, sollte man unter scharfe Beobachtung stellen.

Fri-Son FreiburgFreitag, 8. März, 20 Uhr

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