«Fahrtwind um die Ohren»

Der Berner Kontrabassist Mich Gerber über Heldinnen, Freund am Küchentisch und den Fahrwind um die Ohren.

Mich Gerber wärmt sogar Gletscherseelen.

Mich Gerber wärmt sogar Gletscherseelen.

(Bild: zvg)

Xymna Engel

Wer war der Held Ihrer Kindheit?
Meine Heldin war die Rote Zora. Mich beeindruckte dieses mutige Mädchen, die Bandenchefin. Ich hatte vorher noch nie so ein dickes Buch zu Ende gelesen. Wahrscheinlich war ich ein bisschen in sie verliebt.

An was glauben Sie?
Ich stamme aus einer protestantischen Familie und bin mit deren Werten aufgewachsen. Wegen des Glaubens haben Menschen eindrückliche Kathedralen und Tempel erbaut. Zudem gibt es unglaublich schöne sakrale Musik, die mich nach wie vor fasziniert.

An was glauben Sie nicht?
Je selbstständiger ich jedoch zu denken begann, desto weniger glaubte ich an eine Religion. Heute bin ich Atheist.

Was hängt bei Ihnen über dem Bett?
Über meinem Bett hängt ein Halbmodell eines traditionellen griechischen Kutters. Ein alter Bootsbauer, Vangelis Kabogiorgas, hat es auf der Insel Spetses in Griechenland aus Holz gebaut. Seit es da hängt, träume ich von den weiten Weltmeeren.

Was ist Ihr grösster Schatz?
Es freut mich enorm, dass meine Musik in verschiedensten Kulturen verstanden wird. Ich kann auf der ganzen Welt herumreisen und mit meiner Musik auftreten. Letzte Woche habe ich in Tansania gespielt, und Ende Februar werde ich im Iran auftreten.

Wofür sparen Sie?
Als Berufsmusiker fliesst alles Geld, das ich verdiene, in meine Projekte – denn dies ist mein Leben!

Wann haben Sie sich das letzte Mal so richtig wild gefühlt?
Ich bin Eigner eines alten Segelbootes aus Holz. Im letzten Sommer geriet ich auf dem Bielersee in den Joran, einen Sturm mit Orkanstärke, der ohne Vorzeichen plötzlich aufheulte. Da wurde es richtig wild!

Welches sind Ihre aktuellen Süchte?
Üben. Dann fühle ich mich gut.

Was ist Ihnen näher: das Leichte oder das Schwere?
Kulinarisch gesehen mag ich es ausgewogen. Ich mag Gerichte mit wenig Zutaten, die gerade deshalb wunderbar harmonieren. Wie zum Beispiel Spaghetti aglio e olio. Es ist genau wie in der Musik: Ich liebe Melodien, die berührend einfach sind und trotzdem nicht banal.

Wo zwickt es derzeit am meisten?
Wenn es mich zwickt, schwinge ich mich aufs Rad. Ich liebe es, mit dem Velo einen Weg abzutasten, denn das Tempo stimmt. Fahrtwind um die Ohren gibt mir Energie!

Was ist das Traurigste oder das Lustigste, was Ihnen je auf der Bühne passiert ist?
Das Lustige und das Traurige liegen oft nahe beieinander. Ich habe schon an Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen gespielt. Musik begleitet das Leben. Ich weiss von einem Menschen, der zu meiner Musik geboren wurde, und von einem, der zu meiner Musik starb.

Was bringt Sie dazu, einen Raum zu verlassen?
Eine schöne Brise auf dem See oder eine Mondnacht!

Was wissen nur die wenigsten Menschen über Sie?
Dass ich gerne koche, wissen nur meine lieben Freundinnen und Freunde, die oft an meinem Tisch sitzen.

Wie sieht es aus, wenn Sie tanzen?
Vor ein paar Tagen besuchte ich auf Sansibar ein wunderbares Konzert von Siti & The Band. Ihre Energie war so toll! Ich tanzte hemmungslos. Wie das aussah, war mir egal.

Wofür möchten Sie Werbung machen?
Nochmals: Siti & The Band. Sie spielen kontemporäre sansibarische Musik mit traditionellen Wurzeln: den Taarab. Das ist eine sehr charmante Musik mit afrikanischer Rhythmik und arabischen Melodien. So spiegelt sich die Geschichte eines Landes in der Musik.

Mit seinem Kontrabass wärmt der Berner Mich Gerber sogar Gletscherseelen. Am Sonntag, 13. Januar, um 19.30 Uhr spielt er bei Bee-Flat in der Turnhalle das einzige Berner Konzert der Album-Release-Tour seiner 2018 erschienenen Platte «Shoreline».

Der Bund

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