«Es würde Paul Klee wohl gefallen»

Volksmusik als Kulturgut: Auch wenn das erste Festival für die Neue Volksmusik «Alpenklang» kein Grossanlass sein wird, freut sich die Veranstalterin über das Konzept.

Julia Vincent hofft, dass das Festival in den nächsten Jahren vergrössert werden kann.

Julia Vincent hofft, dass das Festival in den nächsten Jahren vergrössert werden kann.

(Bild: zvg)

Ane Hebeisen

Ein Festival mit drei Bands an zwei Abenden – da war wohl Schmalhans Festivalleiter. Warum tragen Sie so dünn auf?
Es handelt sich um das erste Festival für die Neue Volksmusik in Bern, und es ist auch für das Zentrum Paul Klee ein neues Genre, dem wir uns öffnen möchten. Deshalb geht es zunächst einmal darum, zu evaluieren, ob wir damit ein Publikum erreichen.

Trauen Sie der Szene noch nicht?
Doch, wir haben sehr wohl Vertrauen in die Szene. Wir möchten das Format in Bern langsam etablieren. Um die Konzerte haben wir ein kulinarisches Konzept ausgeheckt, es wird bereits am Nachmittag Kurzkonzerte in und um das ZPK geben, und die Zuschauer können zwischen den Konzerten die Ausstellungen anschauen gehen. Insofern hat das Wochenende durchaus Festivalcharakter.

Was hätte wohl Paul Klee dazu gesagt?
Paul Klee liebte Musik, er liebte die Alpen, und er war ein offener, experimentierfreudiger Mensch. Es würde ihm wohl gefallen.

Es gibt grob gesagt drei Strömungen in der Neuen Volksmusik: die offenen Traditionalisten, die Forschenden und die Musiker, die sich vom Jazz, vom Pop oder von der Klassik her annähern. Was interessiert Sie am meisten?
Ich finde alle drei Ansätze interessant, und es wäre schön, wenn wir das Festival künftig ausweiten könnten, um all diese Tendenzen aufzuzeigen. Es ist eine sehr junge Szene, und man trifft hier auf bestens ausgebildete Musiker, die sehr frei mit der Tradition umgehen und auch improvisatorisch eingreifen.

Bis in die 90er-Jahre drohte die Schweizer Volksmusik als urtümliche Tradition oder als muntere Tourismusmusik zu vermorschen, Innovationen wurden abgeblockt, bis einige Unerschrockene wie Töbi Tobler oder Noldi Alder die Folklore weiterentwickelten. Wo sehen Sie heute die interessantesten Ansätze?
Es handelt sich um ein alpines Kulturgut, das touristisch sehr stark überstrapaziert wurde. Man kann diese Musik ja an jedem Skilift hören, was ich als Deutsche allerdings stets als wunderbar empfunden habe. Doch ich begrüsse eine Neubelebung natürlich sehr.

Vor zehn Jahren änderte die Pro Helvetia – nach der Hirschhorn-Affäre von rechts politisch unter Druck gekommen – ihr Fördergebaren und deklarierte den Umgang mit der Tradition als unterstützungswerte Leistung. Damit trat sie eine wahre Flut an Neuer Volksmusik los. Wie haben Sie das damals beobachtet?
Nur am Rande. Ich finde es gerechtfertigt, dass die Kulturförderung nicht immer nur Innovation ins Zentrum stellt. Ich tue mich schwer mit Einseitigkeit. Wenn ein Land schon etwas kulturell Einzigartiges hat, dann soll das auch gepflegt werden. Wobei ich unter «Pflege» eben auch «Weiterentwicklung» verstehe.

Nach dem Festival Alpentöne gibt es nun also das Festival Alpenklang. Lehnen Sie sich nur in der Namenswahl am Original in Altdorf an?
Das war Zufall. Für mich ist das Genre relativ neu. Die Initialzündung war der Film «Fremdfötzelige Musikanten», in dem der Schwyzerörgeli-Spieler Markus Flückiger auftritt, der nun auch an unserem Festival spielt. Ich habe mich in der Folge vor allem über Gespräche mit Musikern ins Genre vertieft. Und der Name, nun ja. Der ist mir auf meinem Fitnessgerät in den Sinn gekommen.

Der Bund

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