«Das ist natürlich anstrengender als Netflix schauen»

Blockchain und Kulturbetrieb – wie geht das zusammen? Am seinem International Innnovation Filmfestival will Toni Caradonna diese Frage beantworten.

Toni Caradonna sieht in der Blockchain-Technologie eine Chance für den Kulturbereich.

Toni Caradonna sieht in der Blockchain-Technologie eine Chance für den Kulturbereich.

(Bild: zvg)

Xymna Engel

Sie sind der Ideengeber des 1. International Innovation Filmfestival. Das klingt erstmal nach viel Kultur. Geplant sind aber auch eine Online-Konferenz zum Thema Blockchain und ein Hackathon, also ein Programmierwettbewerb. Wie geht das zusammen?
Die Ursprungsidee des Festivals war, Wissen im Bereich Blockchain zu vermitteln. Ich bin überzeugt, dass das über die Kultur am besten funktioniert, etwa indem man einen Film schaut, der über Blockchain finanziert wurde.

Ist Blockchain also eine Art Crowdfunding?
Blockchain ist die dritte Welle der Digitalisierung. Die Digitalisierung hat angefangen mit dem Internet, dann kam Social Media dazu, heute kann man mit Blockchain Werte digital abbilden. Vereinfacht gesagt: Blockchain ist eine Art «Milchbüechli». Man kann ein eigenes Währungssystem aufbauen – ganz ohne Bank. Man kann damit Crowdfunding betreiben, aber auch finanzielle Transparenz schaffen. Gerade im Kulturbereich bietet Blockchain viele Vorteile: Man ist unabhängig von Institutionen, da es keine Zwischenhändler gibt, und Kulturschaffende können ihre Souveränität zurückgewinnen, was zur kulturellen Vielfalt beiträgt.

Das klingt so unglaublich wie revolutionär. Wie lange wird es dauern, bis Sie nicht mehr erklären müssen, was Blockchain ist?
Kürzlich hat mir jemand nach einem Vortrag gesagt, ich sei wie ein Zeitreisender, der ins Mittelalter reist und sagt: Alle müssen lesen und schreiben lernen. Aber ich bin der Überzeugung, dass es höchstens eine halbe Generation dauern wird.

Sie haben mit «The Pitt Circus» den ersten Film produziert, der auf der Blockchain-Technologie basiert. Was gibt mehr zu reden: der Inhalt des Films oder die Finanzierung?
In «The Pitt Circus» geht es um die Abenteuer einer australischen Zirkusfamilie. Für die Zirkuscommunity ist das natürlich eine grosse Freude. Bei anderen weckt die Finanzierung Urträume im Sinn von: Oh, da kann man aus heisser Luft Geld drucken. Aber das ist ein Trugschluss. Man muss nach wie vor eine Community bilden. In der Blockchain-Szene hat es damals eine grosse Debatte gegeben, viele haben nicht geglaubt, dass es funktioniert, und waren dann aber umso erfreuter.

Sie zeigen in der Cinématte ganz unterschiedliche Filme, vom iranischen Drama «Ako» über einen kurdischen Gepäckträger bis zum Dokumentarfilm «Sisters of the Wilderness» über fünf Zulu-Frauen in der südafrikanischen Wildnis. Nach welchen Kriterien haben Sie ausgewählt?
Wir haben unter den Eingaben nach einer attraktiven Bildsprache und einer speziellen Geschichte gesucht. «The Spider’s Web» etwa zeigt die negativen Seiten der klassischen Finanzwelt, und in «Sisters of the Wilderness» gibt es Blockchainunterstützung. Unser Ziel war ein möglichst vielfältiges Programm.

Sie sind Physiker, Unternehmer und betreiben unter dem Namen Superbuffo «Stuntcomedy». Was treibt Sie an?
Die meisten Leute machen Sachen, weil sie sie gut können. Ich hingegen lerne gerne neue Sachen. Mit der Blockchain-Technologie haben sich hier bis jetzt nur wenige beschäftigt. Aber es ist höchste Zeit, dass wir eine Debatte führen, wie wir damit umgehen. Das ist natürlich anstrengender als Netflix schauen an einem Sonntagnachmittag. Aber ich bin mir sicher: Es lohnt sich.

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