Er leuchtet nur im Dunkeln

Der brasilianische Spielfilm «Tinta bruta» erzählt eine Geschichte von Vereinzelung und zunehmender Homophobie. Zu sehen am Festival Queersicht.

Panzer aus Farbe: Pedro (Shico Menegat) tanzt vor der Webcam.

Panzer aus Farbe: Pedro (Shico Menegat) tanzt vor der Webcam. Bild: zvg

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Wer kann, der geht. Porto Alegre heisst die Stadt, doch fröhlich ist hier gar nichts. Gebaut ist der Ort im Süden Brasiliens auf Schwemmland, jedes Jahr versinkt er ein Stückchen mehr, und seine Häuserblocks, die immer leerer werden, sehen aus wie verschimmelt.

Hier lebt Pedro (Shico Menegat), ein feingliedriger junger Mann, allein mit seiner Schwester Luiza. Die Mutter ist schon lange gestorben, der Vater inexistent. Als Luiza am anderen Ende des Landes einen Job bekommt, packt sie ihre Koffer und lässt Pedro mutterseelenallein. Er ist von der Uni geflogen, weil er als Schwuler die ständigen Belästigungen nur noch mit Gewalt zu beantworten wusste, und nun verkriecht er sich in seiner Wohnung. Sein Geld verdient Pedro, indem er als «Neon-Boy» vor der Webcam tanzt – sein Alleinstellungsmerkmal ist die im Dunkeln leuchtende Farbe, die er sich lasziv auf den Leib schmiert.

«Tinta bruta» ist nur einer von 35 Langfilmen, die am 22. LGBTI-Festival Queersicht in Bern laufen. Zu sehen gibt es da unter anderem den Eröffnungsfilm «Knife + Heart» mit Vanessa Paradis als Produzentin von Schwulenpornos, das Biopic «Colette» mit Keira Knightley sowie diverse Dokumentarund Kurzfilme.

«Tinta bruta» von Filipe Matzembacher und Marcio Reolon, der an der vergangenen Berlinale lief, macht die soziale Härte und die zunehmende Homophobie in Brasilien an seiner Hauptfigur brutal deutlich. Man möchte Pedro, den jungen Mann mit den traurigen Augen, über die ganze Filmdauer permanent in den Arm nehmen. Umso mehr, als die Lage für Menschen wie ihn im Lichte der Aktualität noch brenzliger werden dürfte – in einem Land, dessen neuer Präsident Homosexuelle und Künstler am liebsten zum Abschuss freigäbe.

Queersicht 8. bis 14. 11., diverse Kinos. www.queersicht.ch (Der Bund)

Erstellt: 08.11.2018, 08:28 Uhr

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